Sonntag, 27. November 2016

Frei trotz Arbeit




1.Advent, und das Jahr ist fast schon wieder vorbei. Wow. Wenn ich zurück blicke, scheint mir der Weg bis zum letzten Januar sehr sehr lang. Und ich finde es erstaunlich, wie weit das auch schon wieder hinter mir liegt. Aber das macht auch noch mal deutlich, wie weit man kommen kann, wenn man jeden Tag ein Stück geht. Bis nach Italien z.B.

Dieses Jahr war schwierig, von Anfang an. Die Arbeit selbst und noch mehr die Arbeitssituation haben sehr viel Kraft gekostet. Eine Kollegin hat richtig Ärger gemacht, Schüler gemobbt, Kollegen gemobbt, mit der Schulleitung gestritten. Aber unsere Chefin hat es leider nicht auf die Reihe bekommen, rechtzeitig zu reagieren, und so hat sich die Situation bis Juli durchgezogen, mal mehr, mal weniger akut.
Außerdem habe ich feststellen  müssen, dass alle meine Kollegen (inklusive der Terror-Frau), bereits unbefristete Verträge bekommen hatten, auch wenn sie teilweise erst 1 Jahr nach mir gekommen sind. Ich wurde zwar durchgehend mit Lob überschüttet und habe immer mehr Aufgaben und Verantwortung bekommen, aber mein Vertrag wurde - vergessen?

Also was tut man, wenn man unzufrieden ist und nicht weiter kommt? - Man schaut sich anderweitig um. Bewerbungen raus schicken bin ich ja nun wirklich gewohnt und daher hatte ich wie früher auch schon einenganzen Schwung auf einmal rausgehauen. Aber dass dann keine einzige Absagen gekommen ist, war dann doch neu für mich. Diesmal musste ich die Absagen erteilen, also eine sehr gute Übung für mich, das mit dem "Nein sagen" zu lernen.


Eine der aufregendesten Entscheidungen hatte ich an dieser Stelle schon angedeutet: Ich hätte nach Peru gehen können. Allerdings nur für 3 Jahre. Letztlich war es dann aber das ausschlaggebendste, dass ich Deutschland nicht verlassen will, wenn ich hier gerade als Deutschlehrer für die Flüchtlinge so sehr gebraucht werde. Die wollte ich dann doch nicht gegen die reichen Kinder Südamerikas eintauschen.

Währenddessen wollte mein aktueller Arbeitgeber mich auch behalten und hat mir im Juli dann doch einen unbefristeten Vertrag ab September zugeschickt. Nur noch meine Unterschrift fehlte und so konnte ich ganz entspannt der Dinge harren, die da noch so gekommen sind.

Und ich musste überlegen und rechnen und auf meinen Bauch hören. Und am Ende habe ich den Schritt gewagt und mich selbstständig gemacht! Seit September bin ich jetzt als Freiberufler unterwegs, kann viel entspannter unterrichten und mein Konto wird dabei sogar immer voller.
Da ich für Krankheiten und Arbeitsausfälle nun selbst aufkommen muss, habe ich mir also etwas zurücklegen müssen, und wenn man dann erstmals auf seinem Kontoauszug einen fünfstelligen Betrag am Ende sieht, den man sich selbst erarbeitet hat, macht einen das doch schon sehr stolz.

Ich bin jetzt nicht mehr Angestellter eines Kooperationspartners, der mich über weite Strecken alleine lässt (und auch gar keine Ahnung von meinem Beruf hat), sondern ich bin jetzt selbst der Kooperationspartner. Dazu werde ich in nächster Zeit auch sehr gut mit Arbeit eingedeckt sein und brauch mir über die Kundenaquise keine Gedanken machen. Viele Möglichkeiten lasse ich derzeit also noch ungenutzt, und kann mich langsam, aber ordentlich um alles kümmern.

Zwar musste ich mich erstmal in die ganzen rechtlichen Angelegenheiten einlesen und wie das nächstes Jahr mit der Steuererklärung wird, kann noch mal spannend werden, aber ich denke, ich bin auf einem guten Weg, das Stück für Stück alleine bewältigen zu können.

Ein langer Weg liegt nicht nur hinter mir, sondern hoffentlich auch vor mir. Und ich bin gespannt, wie es weiter geht und wo es mich hinführen wird.

1 Kommentar:

Annette Weber hat gesagt…

Wow, das ist aber eine Veränderung. Das hört sich total stimmig an. Herzlichen Glückwunsch!
Bin gespannt, wie es weitergeht.

Annette