Freitag, 15. November 2013

Luke Sital Singh - Nothing stays the same


Let your guard down 
Get your heart.... POUNDED

Zeilen aus einem Lied, die mir nicht mehr aus dem Kopf gehen.
Melancholisch, schmerzhaft, hoffnungsvoll, eine Hymne auf das Leben. Genau was ich gerade brauche.


I can taste in my mouth
I am hanging upside down

Ja, zu oft wirkt gerade alles einfach verkehrt. "Mit beiden Beinen im Leben stehen" fühlt sich irgendwie anders an. Viel eher häng ich in den Seilen und versuche wieder Boden unter die Füße zu bekommen.

I can face it just about
I'd rather hurt than live without
But I will rage and scream and shout...
A
 love, a life - it's dark and bright
It's beautiful and it's alright

Aber ich kämpf mich durch. Jeden Tag wieder. Mal mehr mal weniger erfolgreich. Die letzten 2 Wochenn ging es gut voran. Trotz vollen Tagen hatte ich genug Energie für Arbeit und Lernen und soziale Kontakte. Aber diese Woche war bisher nur im Bett verkriechen und dann doch noch schnell zur Arbeit hetzen. Ja, bei jedem Kratzen im Hals schlich sich sogar schon die Hoffnung herein, krank zu werden.
Aber es hilft nix, es muss weiter gehen. Vor dem Fernseher oder in einem Buch verkriechen... verlockend, aber bringt mich gerade nicht weiter.

Our broken teeth are scattered but we're smiling underneath
A thousand bruised muscels still we're running on and on

Nichts bleibt gleich. Und das ist hier mal das gute am Leben: Es kann besser werden. Es kann gut werden.
Und wenn es dabei hilft die eigenen Kräfte zu aktivieren, warum nicht: schreien, toben, heulen, die Lungen mal ordentlich durchpusten. Durchhalten, alles wird gut? Nein, das wäre zu einfach. Von alleine passiert das nicht. Weiterkämpfen, wenn es sein muss weiter auf dem Zahnfleisch.

But I will rage and scream and shout... and love
A life - it's dark and bright
It's beautiful and it's alright
To cry your eyes out
Fill your lungs up
We all hurt, we all lie
And nothing stays the same
Let your guard down
Get your heart pounded
We all bleed, we all breath
And nothing stays the same
We hold out for some day
And nothing stays the same

Oh, liebes Leben. Es ist ganz schön schwer wieder auf die richtige Spur zu kommen wenn man sich mal etwas verfahren hat. Aber immerhin bin ich schon ordentlich rumgekommen. Und an den meisten Tagen eigentlich auch noch ganz gern weiter unterwegs.

Somewhere deep inside
We're holding on to dear life
Oh dear life





Donnerstag, 31. Oktober 2013

Irrungen Wirrungen

Die Zeitarbeitsfirma hatte neue Mitarbeiter geschickt und im Pausenzimmer wurde mächtig getuschelt:

Nein... aber das ist doch...!
Die Haare!
...aber die Stimme!
Aber der BH!!! Der BH!!!
Aber die Haare auf den Armen!
Ja und die Bartstoppeln???
...aber der BH...

Ich wurde dann schließlich auch nach meiner Meinung gefragt. Ich hatte die betreffende Person zwar nur im Vorbeigehen gesehen, aber ich ehrlich gesagt hatte ich mir dabei auch schon gedacht: "Hat die Frau etwa einen Bart???"

Es wurden dann weitere Spekulationen angestellt und es kam der Vorschlag zu beobachten, welche Toilette die Person denn benutzt. 
Ich hatte aber noch eine bessere Idee: Fragt doch einfach nach dem Namen! Da wurde es dann still am Tisch...

Heute war ich mit der Person an einer Maschine und hab dann also einfach mal ein Gespräch angefangen und dabei nach dem Namen gefragt. War gar nicht so schwer. Und ich hatte mit meiner ersten Vermutung auch direkt recht: Es handelt sich um einen weiblichen Namen.
Allerdings hab ich mich beim ersten Gespräch nicht getraut zu fragen, ob das nun eventuell früher mal anders war... Macht man ja auch nicht, oder?

Den Tuscheleien über mögliche genetischen Defekte oder OPs möchte ich mich aber trotz aller Neugier nicht anschließen. Eventuell werd ichs noch erfahren, aber eigentlich gehts mich ja auch gar nichts an. Das Leben ist ja sowieso schon kompliziert genug.

Übrigens haben wir gestern Schokolade für den Export nach Frankreich produziert. Unter belgischem Namen kann man dort dann bald Schokofiguren aus Deutschland naschen.
Außerdem statten wir ein schwedisches Möbelhaus mit Schokopferden aus, die wir aus einer extra nur dafür  angelieferten Schokolade aus Russland herstellen.

Heutzutage ist ja sowieso alles unmöglich.

Freitag, 18. Oktober 2013

Nix gelernt?

"Und warum hast du nix gelernt?"
fragt mich eine türkische Kollegin. "Warum hast du kein Beruf?"

Ich stehe da, kratze Schokoladenreste von Plastikformen und weiß nicht genau, was ich sagen soll.
Ich hab doch gelernt. Ständig gelernt. Immer wieder gelernt. Wochen lang. Monate lang. Jahre lang. Ich habe ein Magisterzeugnis der Philosophischen Fakultät der Uni Tübingen. Aber ein Beruf ist das halt nicht.

Ich kratze weiter an Plastikformen herum und fühle mich elend. So weit hab ich also gebracht, dass ich alte Schokolade wegkratzen muss. Und es kommt noch schlimmer: Der Stapel mit den dreckigen Formen neben mir ist plötzlich riesengroß geworden. Die Kolleginnen schauen schon böse und tuscheln. Ich bin zu langsam. Ich bin überfordert. Ich kann nicht schnell genug Kratzen. Ich hab nichts gelernt. Ich könnte heulen.

Aber vielleicht hab ich doch ein bisschen was gelernt: Jetzt aufgeben gilt nicht. Ich kratze schneller, der Stapel schrumpft wieder.

Und ich lerne immer noch. Damit ich bald doch auch einen "Beruf" habe: Lehrer für Deutsch als Fremdsprache.
Ein Gespräch kommt mir wieder in Erinnerung, Anfang des Jahres im Jobcenter mit meiner Arbeitsberaterin: "Aber das ist doch kein Beruf!" Sie will mir das demonstrieren indem sie mir ein Online-Formular auf ihrem Bildschirm zeigt, bei dem sie aus einer Liste auswählen kann, bei dem angeblich alle Berufe aufgelistet sind, die es gibt. Oder für die es zumindest die Chance einer offenen Stelle gibt. Und da entdeckt sie plötzlich: Diesen Beruf gibt es ja tatsächlich. Sie stottert verlegen rum...

Ich muss wieder an dieses Gespräch denken und frage mich: Ist das wirklich der Ausweg? Oder steh ich am Ende dann eben mit Beruf am Schokolade abkratzen? Nummer sicher ist ja dann doch was anderes.
Eine Kollegin wird sauer, weil ich keine Zeit habe ihr zu helfen. Aber sie sagt nichts, sie schaut nur böse. Also schaue ich nicht hin. Dann fängt sie an, lauter zu hantieren und knallt ein paar Mal auf ihrem Tisch herum. Es ist mir egal. Ich kratze weiter so gut ich eben kann. Meine Stimmung liegt irgendwo am Boden, die könnte man auch direkt abkratzen.

Ich will nicht noch mehr lernen, wenn dann am Ende unterm Strich doch nur zum "nix" abgerundet wird.
Bin ich mir denn sicher, dass dieser Weg der richtige ist? Diese Frage schon wieder, immer wieder mal taucht sie auf. Und während ich weiter Schokolade kratze komme ich einmal mehr zu dem Ergebnis: Ich sehe keinen anderen Weg. Und ein Weg ist doch besser als keiner, oder? Besser als: Ich kratze Schokolade, meine Finger tun weh weil ich den Griff von meinem Kratzer zu fest umklammere, und trotzdem ist man nicht zufrieden mit mir.

Endlich kann ich nach Hause und stürze mich im Internet in Stellenangebote: Für mich jetzt wie ich bin gibts mal wieder so fast nichts. Für den Rest hab ich mich schon beworben.
Ich tippe "Lehrer" und "Deutsch als Fremdsprache" und bekomme rund 50 Treffer aus den Angeboten der letzten 2 Wochen. Ein paar scheiden natürlich aus (gute Französischkenntnisse, 2 Jahre Berufserfahrung, etc.), aber bei etwa 30 könnte ich mich bewerben, wenn ich meinen Beruf hätte. Endlich ein Lächeln. Ja ich bin auf einem Weg der zu einem Ziel führt. Ich hab was gelernt und ich geb nicht auf. 

Und bis dahin wird eben Schokolade gekratzt... auch wenn am Ende niemand damit zufrieden ist. Aber eigentlich ist das auch gut so.


Freitag, 11. Oktober 2013

Herbst?

Heute auf dem Weg zur Arbeit leuchtet plötzlich die kleine Schneeflocke neben der Temperaturanzeige auf: Gerade mal 2 Grad!!! Womöglich gibt es zum Wochenende auch schon den ersten Schnee hier.
Also eigentlich wird es höchste Zeit, dass ich den Kürbis in der Speisekammer auch endlich mal zubereite. Denn vorgestern hatte ich bei der Arbeit auch schon das erste Schoko-Osterei genascht. Denn da laufen seit dieser Woche auch schon die ersten Osterhasen übers Band, die den letzten Adventskalendern zuwinken.

Ach, dieses Jahr wird einfach nicht mehr normaler.

Samstag, 21. September 2013

Schlafen in Gefangenschaft

Ich habe heute gelesen, dass 3-Finger-Faultiere in Gefangenschaft fast 10 Stunden länger schlafen als in freier Wildbahn! Bei anderen Tieren wie z.B. dem Koala hat man ähnliches beobachtet.
Ja, es gibt Wissenschaftler, die erforschen sowas:

Sleeping outside the box: electroencephalographic measures of sleep in sloths inhabiting a rainforest

Aber ist das nicht eigentlich auch beim Menschen so? Wenn wir nur zu Hause rumhängen, unser Essen und alles was wir brauchen vorgesetzt bekommen, schlafen wir doch auch mehr, als wenn wir draußen unterwegs sind.

Denn wenn ich mir jetzt nicht erst noch mein Essen im Supermarkt erlegen müsste, wäre es durchaus möglich, dass ich mich stattdessen auch nochmal hinlegen würde!

Dienstag, 10. September 2013

Wahlmarathon

Meine Güte, so viele Wahlzettel! 
Letzte Woche habe ich mich endlich dran gemacht, meine Briefwahlunterlagen zu bearbeiten. Hier in Bayern haben sie sich ja ausgedacht, dass wir doch am 15.September zur Wahl gehen sollen, und gleich 1 Woche später nochmal. Oder hat man die Landtagswahlen vorgezogen, weil man davon ausgehen muss, dass nach der Eröffnung des Oktoberfests am 21.September am Tag danach halb München eh noch nicht nüchtern genug ist, um zur Wahl gehen zu können? Wie auch immer, mit so einem Quatsch wird man die Wahlbeteiligung sicherlich nicht erhöhen können... aber mir ja eh egal, Briefwahl ahoi!

Landtag, Bezirkstag und über 6 Verfassungsänderungen musste ich nun also abkreuzen. Bei den Parlamenten hier kann man nicht wie für den Bundestag eine Partei mit einer vorgegebenen Listenreihenfolge wählen, sondern man muss seine Zweitstimme einem einzelnen Kandidaten geben. Das hatte zur Folge, dass jede Partei eine mehr oder weniger lange Kandidatenliste hatte. Und da standen dann lauter Leute drauf, von denen ich noch nie was gehört habe. Toll. Für meine Erststimme hatte ich mich nun ja extra kurz über die Kandidaten informiert, damit ich nicht einfach nur eine Partei wähle. Wobei das hier in Bayern eigentlich eh für die Katz ist, weil die CSU außer in München eh überall gewinnt. Aber egal, es geht ja auch ums Prinzip.
Aber was sollte ich nun mit dieser endlosen Kandidatenliste tun? Naja, da hab ich mich dann letztlich doch für eine Partei entschieden und da dann eben einen Kandidaten aus meiner Stadt gesucht und dem mein Kreuz vorgesetzt. Ob der jetzt mehr drauf hat als irgendjemand sonst auf der Liste weiß ich zwar nicht, aber immerhin könnte ich bei dem Mal zu Hause vorbeischauen und mich persönlich beschweren, falls der was verbockt.

Und dann diese Verfassungsänderungen... da hab ich mich erstmal hingesetzt und die Verfassungstexte gelesen. Größtenteils nur viel Bla-Bla. Dass der Wohlstand gleichmäßiger verteilt werden soll in ganz Bayern, egal ob Stadt oder Land. Ja, sollen sie das halt mal in die Verfassung rein schreiben. Aber nur weils da steht ändert sich doch nichts. Da hätten die Parlamentsabgeordneten doch sinnvolleres tun können, als sich einen tollen neuen Satz für die Verfassung zu überlegen und darüber abzustimmen, oder? Dann waren da aber auch noch Sachen dabei, wo ich nicht einfach zustimmen wollte. Noch mehr Politikverflechtung brauchen wir hier in Deutschland wirklich nicht mehr und am Ende passiert noch weniger, wenn die einen erst die anderen Fragen müssen, ob sie den dritten erlauben dürfen, sich über die und jenes Gedanken zu machen. Genauso wenig versteh ich, warum man plötzlich anfängt, einfache Gesetze die den Haushalt betreffen, in die Verfassung zu setzen. Eigentlich sollten da ja die wirklich wichtigen Punkte, die Grundpfeiler unseres Staates (Aufbau, Organisation, usw.) festgehalten werden. Nee, da sollen sie einfach mal ein Gesetz draus machen und fertig.

Ziemlich dick war der eine Umschlag am Ende. Gut 5mal so dick und doppelt so groß wie der für die Bundestagswahl. Aber damit bin ich meinen demokratischen Pflichten erstmal nachgekommen. Ändern wird sich dieses Jahr aber eh nix mehr. Merkel bleibt Merkel und Seehofer bleibt Seehofer. Denn so illusorisch dürften doch selbst Steinbrück und Ude nicht sein, auch wenn ihr Job verlangt, dass sie das derzeit noch nicht zugeben dürfen um auf den letzten Metern nochmal richtig viel Geld in den Wahlkampf stecken zu können. Yay!

Sonntag, 4. August 2013

vom Glück

Glück
hatte die Frau, die gegen Mitternacht auf der Verkehrsinsel Pappaufsteller von der FDP aufstellen musste. Denn beinahe hätte ich sie mit dem Auto überfahren. Oder war es eigentlich mein Glück, sie nicht erwischt zu haben? Hatten wir uns beide das selbe Glück geteilt, oder hatte jeder ein eigenes Glück?

Glücklich
werde ich nicht mehr. Die Zeiten sind vorbei. - Meinte ein Arbeitskollege zu mir. Als ob man Mitte 40 nicht mehr glücklich werden könnte! Hängt natürlich davon ab, wie hoch man die Latte für das Glück legt. Aber macht "das große Glück" wirklich glücklicher als ein kleineres?

Denn erst gestern hatte ich mal mächtig
Glück
als ich im Supermarkt den letzten Liter Milch gekauft habe. Sonst hätte es heute morgen reichlich schwarz ausgesehen in meinem Kaffee.