Posts mit dem Label Aus dem Leben eines Paketfahrers werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Aus dem Leben eines Paketfahrers werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 12. April 2013

Jüngst vor Gericht


Was bisher geschah:

Januar: 


Ex-Chef zahlt nur einen Teil von meinem Gehalt; er sagt, er habe Geldprobleme und wird im Februar den Rest zahlen. Ich bin in Peru, muss die Reise an den Titicacasee erstmal streichen und denk mir: Na toll.


Februar: 

Zurück aus Peru ist immer noch kein Gehalt angekommen. Ich frage nach und es heißt: 
Ich würde dir gerne dein Gehalt auszahlen. Aber...
Ein Notebook soll im Dezember verschwunden sein. Und das wird mir jetzt in Rechnung gestellt. Ich erinnere mich: Ich war damals 4 Tage krank und als ich wieder kam, war ein Paket nicht da. Angeblich bei irgendjemand im Keller "zwischengelagert". Aber warum soll ich das jetzt zahlen? Ich erkläre die Angelegenheit - keine Reaktion mehr. Also wende ich mich ans Arbeitsgericht und mache meine Ansprüche geltend.

März: 

Nachdem ich seit Wochen nichts mehr von meinem Ex-Chef gehört habe, flattert nun endlich der Brief vom Gericht in Haus mit dem Verhandlungstermin. Er bekommt ihn auch und plötzlich meldet er sich wieder! Es hat sich herausgestellt, dass jemand anderes für das Notebook verantwortlich ist!
Somit steht mir nichts mehr im Wege dir dein restliches Gehalt zu überweisen.
Nur soll ich eben vorher die Klage zurückziehen. Dann bekomm ich mein Geld. Mitte bis Ende der Woche.
Ohne Gehalt, mach ich aber gar nichts und sage das auch.

April: 

Vor 2 Tagen auf einmal wieder eine Email: Ich soll mein Geld nun bekommen haben und die Klage zurückziehen. Und tatsächlich: Das Geld ist auf meinem Konto. Und ich soll jetzt so tun, als wär alles nie geschehen? Kann ein Chef denn einfach Gehalt auszahlen, wann es ihm gerade passt? Nee, da will ich doch mal sehen, was vor Gericht passiert.


vor Gericht:

Sie haben Ihr Gehalt jetzt bekommen? Dann ist doch alles in Ordnung, oder?
Der Richter schaut mich an. Ich kann nicht ganz glauben, was gerade passiert und bestehe auf eine Entschädigung. Der Richter lächelt ein wenig und fragt, ob ich mir denn schon ausgerechnet habe, wie viel das ist. Ich nenne den Betrag, den ich errechnet habe, allerdings nicht ganz glauben kann. Dem Richter vergeht das Lachen und rechnet mit dem Taschenrechner nach und kommt auf das selbe Ergebnis. Die Frau meines Ex-Chefs, die er als Unterstützung mit ins Gericht gebracht hat zückt sofort ihren Geldbeutel und sofort bekomme ich das Geld bar auf die Hand, was auch sogleich im Gerichtsprotokoll schriftlich festgehalten wird:

Der Kläger erhält 14 Euro in bar.
Und das wars dann. Die nächsten Bitte.

3 Monate Stress, Anschuldigungen, ein Konto am Rand der 0 und gescheiterte Reisepläne. Dafür jetzt aber Geld in der Tasche, um bei einem längst überfälligem Besuch in Stuttgart Kässpätzle mit Salat und nem Spezi essen zu können.

I've got no money in my hands or my coat or my pocket
Won't get to space 'cause I haven't got a rocket



If you can't get what you love
You learn to love the things you've got

If you can't be what you want

You learn to be the things you're not

If you can't get what you need
You learn to need the things that stop you dreaming

Dienstag, 12. März 2013

Hausdurchsuchung

Der Wecker zeigt kurz nach 7.

Klingeln an der Haustüre hat mich geweckt. Aber ey, das ist zu früh. Wir haben noch geschlossen! 
Ich drehe mich wieder um.

Ding-Dong. - Ding-Dong. - Ding-Dong. - Ding-Dong.Ding-Dong.Ding-Dong.Ding-Dong.Ding-Dong.Ding-Dong....

Meine Fresse! .... Ist vielleicht was passiert? Steht das Nachbarhaus in Flammen? Oh mein Gott, ich schwebe in akuter Lebensgefahr! 

Ich falle aus dem Bett und renne zur Tür. 

"Guten Morgen. Zollfahndung." - 4 Leute stehen vor meiner Tür und halten mir erst einen Ausweis, und dann ein Stück Papier unter die Augen: Ein Durchsuchungsbeschluss. Für meine Wohnung. "Wir müssten jetzt also in Ihre Wohnung." Und schon standen sie zu viert bei mir im Gang. Ich hab keine Brille auf, bin nicht wirklich wach und habe keine Ahnung was los ist.

"Ähhm... hä? Was...?"

Langsam wird mir erklärt: Es geht um meinen ehemaligen Chef (den ersten vom letzten Jahr; nicht den zweiten, der mir mein Gehalt nicht zahlen will und behauptet, ich hätte ein Notebook eingesteckt). Der hat mir zwar Gehalt gezahlt, aber anscheinend keine Sozialversicherung. Und was halt alles so dazugehört, das man zahlen müsste, wenn man ein Unternehmen aufbauen will. So ganz legal. Und das ist nun plötzlich jemandem aufgefallen. Nach einigen Jahren. Und deswegen dürfen die jetzt meine Wohnung durchsuchen. Toll.

Ob ich eine Telefonnummer von meinem früherem Chef habe. Ich muss mein Handy anschalten. Das ist nachts aus, denn wenn ich schlafe, dann kann man mich nicht anrufen. Ich finde das logisch, doch jetzt schauen mich 4 Leute an und warten, bis mein Handy startklar ist. Dann endlich kann ich eine Nummer sagen. Aber die kennen sie schon. Enttäuschung. Trotzdem darf ich mir jetzt erstmal eine Hose anziehen.

Ich bin so frei und werfe mir zur Hose auch schnell noch eine Pulli über. Dann stehen die 4 auch schon im Wohnzimmer. Das Sofa ist belegt mir Kissen, Decken und Papieren. Ich setze mich auf den einzigen freien Sessel. Der Rest darf stehen bleiben. Es sind ja schließlich nicht meine Gäste. Kooperative händige ich Gehaltsabrechnungen, Arbeitsverträge und Kontoauszüge aus. Dann werde ich verhört. 1,5 Stunden lang. Ich erzähle von meiner Arbeit, von Leuten, die da auch noch gearbeitet haben. Ein paar kannte ich nur vom Vornamen her. Einer der 4 schaut auch noch schnell ins Schlafzimmer und in die Küche. Aber anscheinend ist es da nicht so interessant. Zwischendurch telefonieren sie. Man nennt mir noch mehr Namen und ich soll sagen, ob mir die bekannt vor kommen. Dann, endlich, wird mir das Protokoll des Verhörs vorgelesen. Besonders eloquent scheine ich ja nicht zu sein, frisch aus dem Bett geworfen. Eigentlich sollte ich das alles nochmal neu formulieren, was ich da gesagt habe. Aber egal. Ich unterschreibe die Protokolle. Ich bestehe darauf, dass ich schnellstmöglich Kopien von allen Unterlagen bekomme, die sie mitnehmen. Natürlich bekomm ich die wieder, sobald die Ermittlungen abgeschlossen sind. Und das wird in etwa 1/2 Jahr der Fall sein. Dann gehen sie.

Der Wecker zeigt Halb 9.

Dienstag, 11. Dezember 2012

Kamelgrippe

Ich kämpfe mich mit dem Auto durch die Schneewehen der Innenstadt. Jedes Aussteigen in die Kälte ist eine Qual. Mein Kopf hämmert, mein Hals tut weh und meine Nase füllt sich nun auch langsam. Ich hätte doch heute morgen schon zum Arzt gehen sollen. So werd ich jetzt wohl noch den Tag überstehen müssen, wenn ich nicht will das eine ganze Tour liegen bleibt.
Der kalte Wind bläst mir den Schnee ins Gesicht, während ich die Pakete hole, in den nächsten warmen Laden rein laufe, um dann gleich wieder raus in die Kälte und zurück ins lauwarme Auto. Mein Kopf glüht und meine Füße frieren. Die Scheiben laufen innen an und außen gefriert der Latsch an die Scheibenwischer, die ich immer wieder sauber wischen muss, damit sie die Frontscheibe sauber wischen können.

In Schrittgeschwindigkeit biege ich um die nächste Kurve, als sich da plötzlich ein großes zotteliges Tier im Weg aufbaut. Es schaut mich an, mit einem Blick der irgendwie irritiert, mitleidig, gequält und langweilig zugleich aussieht. Es handelt sich um ein Kamel. Das Auto kommt zum Stehen und ich mache die Augen kurz zu. Hab ich jetzt etwa auch noch Fieberhalluzinationen? Da steht doch jetzt nicht wirklich ein Kamel???

Ich mache die Augen wieder auf und das Kamel steht immer noch da und zeigt mir jetzt sein Hinterteil und wackelt mit den beiden Höckern. Immer noch steht es mitten im Weg. Und es ist der einzige den es noch gibt, nachdem der Rest der Fußgängerzone mit Weihnachtsmarkt belegt ist.
Nun stellt sich auch noch ein Mann mit einer Spendenbüchse neben das Kamel. Irgendein Zirkus oder Zoo will Geld sammeln. Der Mann will nicht weggehen, also steige ich aus und erzähle ihm, was ich davon halte, dass er das arme Kamel im Schneetreiben in der Innenstadt  rumstehen lässt. Und dass ich ihm dafür nun wirklich nicht auch noch Geld geben werde. Und dass er jetzt bitte aus dem Weg gehen soll weil ich hier arbeiten muss. Mürrisch zieht er ein Stück an den Rand wo eine Decke auf dem Boden liegt, auf die sich das Kamel jetzt legen soll. Aber das will nicht. Ich kann es verstehen und fahre weiter.

Am Ende des Tages schaff ich es dann endlich zum Arzt, der mir eine ausgewachsene Grippe bescheinigt um mir für den Rest der Woche Arbeitsunfähigkeit bescheinigt. Und vom Fenster aus sieht es doch schon viel angenehmer aus, wenn sich der Schnee draußen immer höher stapelt. Auch wenn mir alles weh tut, die Nase läuft und mir immer wieder etwas schwindlig wird.

Freitag, 30. November 2012

Todestage / Geburtstage

Mehrmals die Woche bringe ich auch Päckchen in ein Pflegeheim, meistens Verbandsmaterial.
Und meistens sind das die Lieferungen, die mich am meisten aufwühlen.

Das Pflegeheim hat verschiedene Abteilungen auf verschiedenen Stockwerken: Senioren, pflegebedürftige jüngere Menschen und Hospizwohnungen. Und so schickt man mich in Zimmer von todkranken Menschen, die eingefallen ihren Betten liegen und sich kaum bewegen können, aber eben doch noch für ihre eigenen Pakete unterschreiben wollen. Und ein wenig reden. Über das Wetter z.B. Mit sehnsüchtigem Blick hängt man sich da an Belanglosigkeiten wie "kalter Wind" oder "Nieselregen", in den ich jetzt wieder hinaus muss und in den sie nicht mehr hinaus können. Und dann komme ich eine Woche später wieder und sie sind nicht mehr da. Und stattdessen unterschreibt mir eine Schwester die Annahmeverweigerung und ich trage das Päckchen  und einen Kloß im Hals zurück ins Auto.

Im Altenheim gibt es eine Frau, die mich immer sehr stürmisch begrüßt. Sie ist taub, sitzt im Rollstuhl und auch nur noch ein Arm bewegt sich so, wie sie das gerne möchte. Mit den Füßen tritt sie ihren Rollstuhl immer auf mich zu, streckt den einen Arm aus, zeigt auf die Pakete und ruft erwartungsvoll. Und dann schüttel ich den Kopf, weil nichts für sie dabei ist. Nie. Und dann dreht sie ihren Rollstuhl um und fährt traurig schimpfend davon. Normalerweise passiert das immer, wenn ich auf ihrem Stockwerk aus dem Fahrstuhl steige. Doch heute hat sie sogar schon unten in der Eingangshalle gewartet und hat heftiger auf mein Kommen reagiert als sonst und stellt sich mir sogar in den Weg. Die Dame am Empfang erklärt: Es ist ihr Geburtstag und bisher hat sie weder Post noch Besuch bekommen. Und ich muss sie, wie immer, anschauen und mit dem Kopf schütteln. In ihrem Gesicht bricht alles zusammen und sie wendet sich schreiend ab. Ich muss betroffen weiter zum Fahrstuhl, und sie folgt mir, rollt mir hinterher in den Fahrstuhl. Die Türen schließen sich und einen Moment ist es still. Dann will ich ihr Alles Gute zum Geburtstag wünschen, doch nach den ersten paar Worten fängt sie zu Weinen an. Es ist ein lautes Weinen, fast schon ein Klagegeschrei, während ihr dicke Tränen über die Wangen rollen. Ich will etwas sagen, ihr eine Hand auf die Schulter legen, doch sie weicht zurück, also lasse ich es. Die Fahrt in den 3.Stock dauert ewig. Als die Türen sich wieder öffnen weint sie immer noch und rollt wütend in Richtung ihres Zimmers davon. Ein paar Senioren schauen in meine Richtung und nicken dann: Ja, der Postbote ist wieder da. Die Krankenschwester ist beschäftigt und unterschreibt nur ganz nebenbei und beachtet die weinende Frau am Ende des Flurs auch gar nicht weiter.  Wahrscheinlich kennt sie das alles schon viel zu gut von vielen Situationen vorher. Mit leerem Wagen steige ich wieder in den Fahrstuhl, diesmal allein. Für einen Moment kämpfe ich mit den Tränen. Beim Rausgehen nehme ich mir vor am Wochenende ein eigenes Päckchen zu schnüren. Damit sie bei meinem nächsten Besuch etwas bekommt. Wenn sie noch da ist.

Sonntag, 25. November 2012

What a difference a week makes

Was ein ganz normaler Montag werden sollte endete dann daran dass mein Chef kündigte. Also nicht mich, sondern sich selbst. Einfach gegangen ist er, hat sein Auto stehen lassen und ging fortan nicht mehr ans Telefon. Man munkelt, dass es etwas mit der Polizeikontrolle vor dem Tor zu tun hatte.

Ja, und wie sollte es nun weiter gehen? Nach 2 Tagen Ungewissheit habe ich dann am Di einfach mal eine Kündigung geschrieben, um irgendwie aus diesem Vertrag heraus zu kommen. Und gleich danach tue ich das, was ich schon lange vorhatte: Ich buche ein Flugticket um Freunde zu besuchen. Denn was bringt einen besser aus dem Chaos heraus als 1200 Flugkilometer, an deren Ende liebe Leute warten?

Am Mi hat sich dann der Geschäftsführer der Distributionsgesellschaft eingeschaltet und hat mir gleich zwei Leute angeboten, die mich gerne übernehmen möchten. Eine Einigung ist schnell gefunden und ich kann meinem Ex-Chef sogar anbieten, auf die Kündigung zu verzichten wenn er einer Vertragsauflösung zustimmt.

Am Do beginnt dann also mein erster Tag beim neuen Chef: Die selbe Arbeit, sogar das Auto bleibt das gleiche, da die Autovermietung das Ding von meinem alten Chef direkt auf meinen neuen überschreibt. Und eine Gehaltserhöhung bekomme ich auch gleich noch mit dazu. Dafür sind mir durch die Vertragsauflösungs-Sache aber auch 8 Urlaubstage (= alle für 2012) flöten gegangen.

Allerdings bleibe ich dennoch dabei, im Januar dann erstmal davon zu fliegen. Denn leider stellt sich ja nie die Frage ob es Stress und Chaos gibt, sondern immer nur wie schlimm es diesmal wieder wird.

Sonntag, 30. September 2012

Das Navi im Abenteuermodus


Dem Straßenverlauf 3km folgen!

Nachdem ich in Grünkraut nun alle Pakete abgeliefert habe, muss ich nun nach Bodnegg. Nach Atzenweiler brauche ich heute nicht. Irgendwie nerven die ganzen Dörfer schon und die Strecken die ich wegen einzelnen Paketen fahren muss lohnen sich eigentlich nicht. Und jetzt im Herbst hab ich auch ständig einen Traktor vor mir, der gerade von der Apfelernte kommt. So ganz kleine und schmale Traktoren sind das, die dann 4 bis 5 Anhänger mit Äpfeln hinten angehängt haben. Und jedes Mal wenn ich hinter so einem herfahren muss, denke ich dass ich mir so eine lange Greifzange zulegen sollte, mit der ich mir dann einen Apfel holen könnte. Generell wäre so eine Zange ja praktisch, z.B. wenn...

In 500m links abbiegen!

...ehmm. Jetzt schon? Ist das nicht etwas früh. Naja, anscheinend gibt es da also auch noch einen anderen Weg. Vielleicht ist der ja kürzer. Aber sollte ich nicht so langsam mal eine Straße sehen?

Jetzt links abbiegen!

Jetzt? Tatsächlich, da gibts einen Weg. Der ist aber schmal. Und steil. Wenn mir jetzt jemand entgegenkommt... Meine Güte, ist das kurvig. Und links gehts ganz schön steil die Wiese runter.

In 500m rechts abbiegen!

Na, da bin ich mal gespannt, was da jetzt kommt. Schlechter kann die Straße ja eigentlich gar nicht mehr werden. Oh, und zur linken geht es nun nach "Grub 5". Zum Glück fahr ich da nicht hin.

Jetzt rechts abbiegen!

Ey, das ist ein Kiesweg! Und rechts wie links Felder. Und wenn mich nicht alles täuscht führt der Weg da vorne in den Wald hinein. Hast du ne Ahnung, wo wir denn gerade sind? Aber umdrehen kann ich hier auch nicht...

Sie nähern sich dem Ziel!

WIE BITTE? Wir müssen zum Dorfplatz in Bodnegg, gegenüber vom Rathaus und nicht mitten in den Wald rein. Bist du vielleicht etwas verwirrt? Die Kuh da links schaut mich auch schon ganz verwirrt an. Und jetzt fahren wir in den Wald hinein. Na toll. Wahrscheinlich darf ich das jetzt gleich alles wieder rückwärts raus fahren, weils gleich nicht weiter geht.

In 200m haben Sie ihr Ziel erreicht. Das Ziel liegt links!

Wie schön. Und dass links gerade ein Misthaufen vor sich hindampft hat wahrscheinlich nichts zu bedeuten. So ein Kack. Und diese Schlaglöcher im Weg... ohje-ohje. Aber ist das da vorne nicht ein Haus? Ja, ein Haus! Aber der Weg wird hier jetzt schon extrem steil...

In 100m haben Sie ihr Ziel erreicht!

Ok, mit Vollgas die Steigung hoch, nicht auf dem Kies wegrutschen und nicht ins Loch in der Wegmitte fahren und umkippen. Wenn ich hier im Wald auf der Strecke bleibe... Ui-ui, das war jetzt etwas zuviel Gas und wir sind vom steilen Kiesweg auf die ebene, frisch geteerte Straße geschanzt. Egal, es scheint geklappt zu haben. Und jetzt kommt hier gleich das Rathaus von Bodnegg??

Sie haben ihr Ziel erreicht! Das Ziel liegt links!

Tatsächlich. Meine Fresse. Aber eigentlich würde ich diesen Abenteuermodus im Navi doch gerne ausschalten. Aber anscheinend geht das nicht.

Sonntag, 2. September 2012

Fahrradmesse

Es gibt Leute, die tragen Eulen nach Athen. Und es gibt Leute wie mich, die Fahrräder auf eine Fahrradmesse tragen!
Wenn in Friedrichshafen Messe ist, dann sind die Straßen hoffnungslos überlastet. Man glaubt gar nicht, wo die Leute schon überall parken müssen. Und dabei hab ich den Besuchertag am Samstag, zum Glück, gar nicht miterlebt.

Letzten Donnerstag durfte ich also mit dem Rad im Auto zur Messe fahren. Im strömenden Regen. Auch wenn man zum Ausladen nie lange draußen steht... nach 20mal ist man dann halt doch ziemlich nass. Und so lief ich da dann also durch die Messehalle: Nass und mit nem Karton in der Größe eines Fahrrads auf dem Sackkarren vor mir. Zwischen all den Anzug-Menschen durch, von denen etwa die Hälfte Asiaten waren und  Mini-Rollkoffer hinter sich gezogen haben. Zwischendurch hat mich auch mal jemand komisch angeschaut... aber was sollte ich auch sonst machen. Als ich dann endlich am gesuchten Stand war, waren dir dort auch noch ziemlich unfreundlich und herablassend. Was muss der Lieferjunge auch einfach so in den Schicki-Micki Stand der neuesten Mountainbikes überhaupt reinplatzen. Aber selber Schuld, wenn die ihr Zeug nicht früher bestellen können. Aber in solchen Situationen kannst du eh nur ruhig und gelassen bleiben und darfst dich nicht unnötig klein machen lassen. Schließlich wollen die ja auch was von mir und selbst wenn sie die Annahme verweigern würden, wär das dann letztlich mir egal, solange sie mir nichts vorzuwerfen haben. Aber dann bekomme ich die Unterschrift ja doch und ich kann mich verdrücken. Aber nicht direkt Richtung Ausgang, sondern frech wie ich bin dreh ich eben mal noch eine Ehrenrunde. Denn das war nämlich eh mein letztes Paket für heute und ich kann ganz offiziell meinen Feierabend mit ner kleinen Runde über die Messe beginnen: Fahrradhelme, die irgendwie sehr gewöhnlich aussehen. Sonstige Kleidung fürs Fahrradfahren, ne übermäßig große Auswahl an Satteln in verschiedenen Formen und Farben. Dann auch ein paar Fahrräder für verschiedene Zwecke, aber nichts von wegen "Haste noch nicht gesehen!" Nur an einer Ecke hatte sich eine Menschentraube gebildet. Was es da wohl spektakuläres zu sehen gibt? Na, was wohl: Eine Frau auf einem Fahrrad in knappen und engen Klamotten. Daher auch die Männertraube, die mit fachkundigem Auge das Fahrgestell begutachtet. Mir ist das alles aber zu Klischebeladen und auch irgendwie langweilig. Natürlich schau ich mir auch gerne schöne Menschen an... aber nicht wenn sie sich auf einer Bühne zur Fleischbeschau präsentieren müssen.

Aber warum so viele Asiaten sich für Fahrräder am Bodensee interessieren? Hat jemand ne Idee?

Samstag, 11. August 2012

Dinner mit Vogel

Es soll ja Leute geben, die viel Geld für Diäten ausgeben. Ich hingegen verliere lieber Gewicht, indem ich Geld verdiene: In 4 Wochen hab ich jetzt schon 8 Kilos runter gelaufen, geschleppt und geschwitzt! So ganz nebenbei, während ich sogar etwas mehr Cola trinke und Fast Food esse als zuvor. Aber auch mehr Obst , denn dort unten am Bodensee kommt schon alle Nase lang an nem Stand vorbei, an dem ein Bauer die ersten Äpfel der Saison oder die letzten Beeren anbietet. ^^

Aber zurück zum Fast Food: Letztens saß ich also nach Feierabend im Außenbereich einer bekannten Hamburgervertriebsstelle und war freudig überrascht ob der Abwesenheit anderer Menschen und der daraus resultierenden Ruhe. Ich sitze im Schatten unter einem großen Schirm, die Sonne scheint heiß und es regt sich kein Lüftchen. Nur eine Menge Vögel sind herumgeflattert, bzw. haben sich an schattige Örtchen gesetzt und ihr Gefieder aufgeplustert. Und plötzlich flog ein Spatz auf die gegenüberliegende Ecke des Tisches. Nur ganz kurz, und dann gleich wieder weg. Kurze Zeit später nochmal, doch diesmal bleibt er etwas länger sitzen, dreht seinen Kopf etwas in meine Richtung und macht einen kleinen Sprung auf mich zu, bevor er wieder wegfliegt. Darauf das ganze mit 2 Hüpfern, mit denen er fast schon an mein Tablett herankommt.
Bettelt der mich gerade um Essen an? Na, da kann ich doch aushelfen! Ich breche eine Pommesspitze ab und lege sie etwa an die Stelle, wo der Vogel zuletzt hingehüpft ist. Allerdings sitzt der Vogel nun am leeren Nachbartisch und richtet abwechselnd das eine und dann das andere Auge auf mich. Gerade als ich denke, dass er sich jetzt wohl doch nicht mehr traut, setzt er blitzschnell zum Flug an und schnappt sich das Stück frittierte Kartoffel quasi im Vorbeifliegen. Ob das eigentlich gesund ist, wenn der das jetzt isst? Keine Ahnung, aber kurze Zeit später  hockt er wieder auf dem Tisch und schaut mich an. Also lege ich ihm nochmal ein etwas größeres Stück hin. Diesmal nimmt er sich das nicht nur mit mehr Ruhe, sondern fliegt damit auch lediglich auf die Stuhllehne gegenüber und knuspert dort etwas herum. Im Grunde sitze ich jetzt also einem Vogel gegenüber und beide essen wir mehr oder weniger das selbe. Der Forschergeist in mir meldet sich dann auch gleich zu Wort und will mich dazu drängen, doch auch mal ein Stück Rindfleisch hinzulegen. Doch mein Verstand ist zum Glück schneller: Willst du wirklich dazu beitragen fleischfressende Vögel zu züchten?

Doch dann ists plötzlich eh vorbei mit der Idylle, weil das Burgerhaus-Personal auf einem kleinen Bagger angefahren kommt, um dürres Gestrüpp am Wegesrand zu entfernen. Die Vögel nehmen natürlich gleich im großen Stil reiß aus. Und auch mir wird das alles hier langsam doch zu bizarr, ich esse auf und gehe.


Donnerstag, 2. August 2012

Schweigende Autos und Übergrößen

Was man nicht alles noch dazulernen kann: Bis vor Kurzem wusste ich nicht, dass es Leute gibt, die ihren Post-Bringern Schlüssel anvertrauen, damit die dann die Pakete einfach irgendwo abstellen sollen. Z.B. im Keller oder wo auch immer man es gern hätte. Bei so einem Kunden war ich nun auch schon 2mal und hab die Lieferung wie gewünscht in der Garage abgestellt. Doch als ich das Auto das da drin stand zum ersten Mal gesehen habe, dachte ich sofort: KITT, das sprechende Auto von Knight Rider! Doch statt die Scheinwerfer hoch zu klappen und etwas zu plaudern stand das Auto einfach nur stumm da. Aber ich glaube, es hat sich einfach nur verstellt. Denn da es auch kein Nummernschild hatte, vermute ich nun stark, dass es diesen ominösen Menschen gar nicht gibt, sondern dass sich das sprechende Auto selbst Sachen bestellt, und nur still und leise wartet, bis der Paketdienst weg ist, um die dann auspacken zu können!
Als ich vorgestern nämlich zum 2.Mal dort war, lag auch noch ein kleines Paket auf dem Scheibenwischer! Bestimmt hatte es mich zu spät gehört und konnte dann nicht mehr alles rechtzeitig wegpacken. Da das blöde Schloss der Garage etwas klemmt, werde ich mich allerdings auch nicht schneller unbemerkt heranwagen können.

Und direkt nach dem schweigenden Auto kam dann auch schon mein bisheriges Highlight als Paketbringer: 2 rießige Pakete, die nicht durch die Haustür passen wollten! Schon im Auto haben die Dinger viel zu viel Platz weg genommen und daher stand es außer Frage, dass ich diese Ungetümer noch länger durch die Gegend fahre. An der Haustür stand dann auch schon ein Zettel: Pakete für XY im Haus abgeben. XY war nämlich nicht zu Hause. Und auch sonst fast niemand der 6 Wohnungen in dem 3stöckigen Gebäude. Generell habe ich in zuletzt an diesen warmen Tagen nur wenige Leute zu Hause angetroffen, und wenn dann waren das nackte alte Männer oder liebenswerte alte Frauen. Diesmal war es zum Glück eine liebenswerte alte Frau! "Ja klar, den XY, den kenn ich schon seit er klein ist! Bringen sie die Päkchen nur hoch in den 3.Stock!" Ja, und da gabs dann eben das kleine Problem, dass diese Monster noch nicht mal durch die Tür passen wollten. Die alte Frau kam dann auch noch runter um sich das selber anzuschauen und dann standen wir erstmal da und haben gelacht. Alle anderen Möglichkeiten wurden angedacht und verworfen: Keller, Tiefgarage, vor dem Haus festbinden, die Dinger irgendwann später nochmal bringen... Es half alles nichts, die mussten da nun irgendwie durch die Tür. Schließlich hat die Frau dann also vorsichtig den Deckel eines der Pakete aufgemacht und rein geschaut. Und was war drin: Ein Sitzsack! Also ich vermute, dass man sich auf das Ding drauf setzten sollte. Denn werfen oder locker mit dem Fußgelenk in die Luft kicken ist eher nicht. Und da kam ich auf die rettende Idee: Raus mit dem formbaren Sitzsack, den sorgsam durch den Türrahmen drücken, den Karton flach falten und ebenfalls rein damit ins Treppenhaus - und dort das ganze dann schnell wieder aufbauen und verschließen: Fast wie neu! Das ganze dann auch noch ein 2.Mal und auf den ersten gestapelt und so  blockierte das Ding nun Kellereingang und Briefkästen... aber was sollten wir sonst machen. Wer sich Sachen bestellt, die größer sind als die Haustüre, der sollte sich das nun einfach gut vorher überlegen! Oder eben in eine Garage ziehen.

Freitag, 27. Juli 2012

Voll der Bringer

Manch einer erinnert sich vielleicht noch, wie das alles hier vor 4 Jahren mit diesem Blog angefangen hat.
Und jetzt geht es quasi zurück zu den Wurzeln, denn ich bin wieder als Fahrer unterwegs! Nur ist alles jetzt größer, schneller und weiter: Statt Pizza und Pasta habe ich jetzt Pakete und Päckchen mit dabei (gibts eigentlich noch mehr Sachen mit "P" die ich ausfahren könnte???). Und statt auf einem kleinem roter Roller zu sitzen throne ich nun über dem Verkehr in einem beachtlichen Sprinter. Und meine Ladungen wiegen jetzt auch insgesamt meist so um die 1000kg / Tag. Das kann ja gerne mal jemand in Pizza umrechnen. Und manchmal muss ich sogar Pakete abholen.

5mal die Woche düse ich nun also an den Bodensee hinunter, mit den verschiedensten Sachen. Diverse Einkaufszentren, Firmen und auch Privatkunden werden da beliefert und so haben wir von Ameisensäure (wird anscheinend bei der Autoteile-Herstellung zur Reinigung der Maschinen verwendet) über Kettensägen bis hin zu 500m lange Rollen mit Luftpolsterfolie alles dabei. Heute hatte ich fürs Kino auch James Bond Plakate dabei.
Aber ganz so lustig waren die ersten Tagen nun allerdings nicht. Während über mir der Zeppelin ganz ruhig seine Kreise gezogen hat, war ich am rotieren: Ich hatte mich völlig in der Stadt verfahren, die am morgen säuberlich geordneten Pakete waren mittlerweile alle völlig durcheinander gefallen und immer mehr Geschäfte hatten mit der Zeit dann auch schon geschlossen. Einen Fernseher hab ich mit einem Päckchen für ein Seniorenstift vertauscht und musste dann nochmal zurück und alles wieder in Ordnung bringen. Absolutes Chaos mit dem Scanner und Pakete die ich falsch zugeordnet hatte... es sind halt doch 2 Sachen die Lieferung an die Adresse zu bringen die drauf steht, und das dann auch noch der Technik genau so bei zu bringen.
Die ersten 4 Tage allein unterwegs waren das nackte Grauen, aber irgendwie hatte es am 5.Tag dann Klick gemacht. Natürlich ist da immer noch Luft nach oben, aber so langsam komme ich doch in die Nähe eines angemessen zeitlichen Pensums.

Gerade bei der Hitze ist es zwar unglaublich anstrengend (mehr Durst als der Bauch an Wasser aufnehmen kann...), aber insgesamt finde ich es doch ne gute Sache, was sinnvolles zu tun und Sachen wie Medikamente, Ersatzteile und anderes Zeug zu bringen, auf das Leute warten. Ich hab allerdings auch schon ein paar "Freunde" an verschiedenen Warenannahmen, die offensichtlich von ihrem Job dauergenervt sind. Da steh ich dann schon mal 5 Minuten wartend herum, bis endlich mal jemand die Zeit findet, mir eine Unterschrift zu geben. Und dabei wird man dann auch noch blöd angemacht, dass man so faul herumsteht... Ehmm. hallo? Was soll ich denn sonst machen? Sinnlos hin und her rennen? Davon wird meine Ladung nun auch nicht weniger.
Vorgestern musste ich sogar peinlich berührt daneben stehen, wie sich ein Typ am Telefon mit seiner Frau gestritten hat.

Herrlich chaotisch ist die ganze Arbeit immer noch, aber so langsam steh ich immer weiter drüber, was die Arbeit einfach unglaublich spannend macht. Blaue Flecken, Schürfwunden, überanstrengte Gelenke und verlorene Pfunde gibts gratis dazu. Aber man wächst ja nun auch mit seinen Aufgaben.