Dienstag, 12. März 2013

Hausdurchsuchung

Der Wecker zeigt kurz nach 7.

Klingeln an der Haustüre hat mich geweckt. Aber ey, das ist zu früh. Wir haben noch geschlossen! 
Ich drehe mich wieder um.

Ding-Dong. - Ding-Dong. - Ding-Dong. - Ding-Dong.Ding-Dong.Ding-Dong.Ding-Dong.Ding-Dong.Ding-Dong....

Meine Fresse! .... Ist vielleicht was passiert? Steht das Nachbarhaus in Flammen? Oh mein Gott, ich schwebe in akuter Lebensgefahr! 

Ich falle aus dem Bett und renne zur Tür. 

"Guten Morgen. Zollfahndung." - 4 Leute stehen vor meiner Tür und halten mir erst einen Ausweis, und dann ein Stück Papier unter die Augen: Ein Durchsuchungsbeschluss. Für meine Wohnung. "Wir müssten jetzt also in Ihre Wohnung." Und schon standen sie zu viert bei mir im Gang. Ich hab keine Brille auf, bin nicht wirklich wach und habe keine Ahnung was los ist.

"Ähhm... hä? Was...?"

Langsam wird mir erklärt: Es geht um meinen ehemaligen Chef (den ersten vom letzten Jahr; nicht den zweiten, der mir mein Gehalt nicht zahlen will und behauptet, ich hätte ein Notebook eingesteckt). Der hat mir zwar Gehalt gezahlt, aber anscheinend keine Sozialversicherung. Und was halt alles so dazugehört, das man zahlen müsste, wenn man ein Unternehmen aufbauen will. So ganz legal. Und das ist nun plötzlich jemandem aufgefallen. Nach einigen Jahren. Und deswegen dürfen die jetzt meine Wohnung durchsuchen. Toll.

Ob ich eine Telefonnummer von meinem früherem Chef habe. Ich muss mein Handy anschalten. Das ist nachts aus, denn wenn ich schlafe, dann kann man mich nicht anrufen. Ich finde das logisch, doch jetzt schauen mich 4 Leute an und warten, bis mein Handy startklar ist. Dann endlich kann ich eine Nummer sagen. Aber die kennen sie schon. Enttäuschung. Trotzdem darf ich mir jetzt erstmal eine Hose anziehen.

Ich bin so frei und werfe mir zur Hose auch schnell noch eine Pulli über. Dann stehen die 4 auch schon im Wohnzimmer. Das Sofa ist belegt mir Kissen, Decken und Papieren. Ich setze mich auf den einzigen freien Sessel. Der Rest darf stehen bleiben. Es sind ja schließlich nicht meine Gäste. Kooperative händige ich Gehaltsabrechnungen, Arbeitsverträge und Kontoauszüge aus. Dann werde ich verhört. 1,5 Stunden lang. Ich erzähle von meiner Arbeit, von Leuten, die da auch noch gearbeitet haben. Ein paar kannte ich nur vom Vornamen her. Einer der 4 schaut auch noch schnell ins Schlafzimmer und in die Küche. Aber anscheinend ist es da nicht so interessant. Zwischendurch telefonieren sie. Man nennt mir noch mehr Namen und ich soll sagen, ob mir die bekannt vor kommen. Dann, endlich, wird mir das Protokoll des Verhörs vorgelesen. Besonders eloquent scheine ich ja nicht zu sein, frisch aus dem Bett geworfen. Eigentlich sollte ich das alles nochmal neu formulieren, was ich da gesagt habe. Aber egal. Ich unterschreibe die Protokolle. Ich bestehe darauf, dass ich schnellstmöglich Kopien von allen Unterlagen bekomme, die sie mitnehmen. Natürlich bekomm ich die wieder, sobald die Ermittlungen abgeschlossen sind. Und das wird in etwa 1/2 Jahr der Fall sein. Dann gehen sie.

Der Wecker zeigt Halb 9.

Kommentare:

Diandra hat gesagt…

Ach du grüne Neune, so etwas kann einem doch richtig den Tag versauen...

Annette Weber hat gesagt…

Also, die Branche, in der du da arbeitest, scheint ja ziemlich kriminell zu sein...
Dass die gleich eine Hausdurchsuchung machen dürfen ... seltsam.