Samstag, 14. Dezember 2013

Leerer Adventskalender - arbeitsreicher Urlaub

Da ich ja derzeit an der Quelle sitze habe ich dieses Jahr also meiner Mutter einen Adventskalender geschenkt. So einen richtig edlen im dekorativen Design und mit leckeren Pralinien gefüllt. Und anscheinend kam er auch gut an, denn schon vor dem 2.Advent hatte sie das Ding komplett leer gegessen! Diese Mütter...

Dieses Jahr sind es jetzt noch 5 Tage zu arbeiten, und dann sind erstmal 2 Wochen Betriebsferien! Und ich hab mir einiges vor genommen, denn über die Weihnachtstage habe ich mir die vorletzte Prüfung für meinen Fernkurs freischalten lassen. D.h. ich darf mal wieder Unterrichtsentwürfe für imaginäre Klassen entwerfen und vorstellen. Aber eigentlich sollte das entspannter werden, wenn ich das nicht neben der Arbeit noch reindrücken muss. Und dann im Januar die letzte Prüfung... auf zum Endspurt!

Denn mein Schokovertrag läuft auch schon bald wieder aus, und ich musste deswegen eh schon beim Arbeitsamt Bescheid geben. Und da habe ich dann auch gleich wieder ganz viel Formulare und auch Fragebögen ausfüllen müssen. Z.B. wie gut meine Fähigkeiten in räuchern, schroten, dörren oder maischen sind. Das hat mir nun als Arbeitsblatt für eine Wortschatzübung sehr weitergeholfen da ich mich nun zu Prozessen des Bierbrauens und Schnapsbrennens viel präziser artikulieren kann. Aber sonst... gut, die Drohwirkung hat auf jeden Fall auch noch die letzten Motivationsreserven freigesetzt.

Jetzt kann ich nur hoffen dass ich auch die nächsten Wochen noch von Krankheit verschont bleibe, damit das alles auch so klappt mit meinem Zeitplan. Bisher schauts zumindest recht gut aus.

Freitag, 15. November 2013

Luke Sital Singh - Nothing stays the same


Let your guard down 
Get your heart.... POUNDED

Zeilen aus einem Lied, die mir nicht mehr aus dem Kopf gehen.
Melancholisch, schmerzhaft, hoffnungsvoll, eine Hymne auf das Leben. Genau was ich gerade brauche.


I can taste in my mouth
I am hanging upside down

Ja, zu oft wirkt gerade alles einfach verkehrt. "Mit beiden Beinen im Leben stehen" fühlt sich irgendwie anders an. Viel eher häng ich in den Seilen und versuche wieder Boden unter die Füße zu bekommen.

I can face it just about
I'd rather hurt than live without
But I will rage and scream and shout...
A
 love, a life - it's dark and bright
It's beautiful and it's alright

Aber ich kämpf mich durch. Jeden Tag wieder. Mal mehr mal weniger erfolgreich. Die letzten 2 Wochenn ging es gut voran. Trotz vollen Tagen hatte ich genug Energie für Arbeit und Lernen und soziale Kontakte. Aber diese Woche war bisher nur im Bett verkriechen und dann doch noch schnell zur Arbeit hetzen. Ja, bei jedem Kratzen im Hals schlich sich sogar schon die Hoffnung herein, krank zu werden.
Aber es hilft nix, es muss weiter gehen. Vor dem Fernseher oder in einem Buch verkriechen... verlockend, aber bringt mich gerade nicht weiter.

Our broken teeth are scattered but we're smiling underneath
A thousand bruised muscels still we're running on and on

Nichts bleibt gleich. Und das ist hier mal das gute am Leben: Es kann besser werden. Es kann gut werden.
Und wenn es dabei hilft die eigenen Kräfte zu aktivieren, warum nicht: schreien, toben, heulen, die Lungen mal ordentlich durchpusten. Durchhalten, alles wird gut? Nein, das wäre zu einfach. Von alleine passiert das nicht. Weiterkämpfen, wenn es sein muss weiter auf dem Zahnfleisch.

But I will rage and scream and shout... and love
A life - it's dark and bright
It's beautiful and it's alright
To cry your eyes out
Fill your lungs up
We all hurt, we all lie
And nothing stays the same
Let your guard down
Get your heart pounded
We all bleed, we all breath
And nothing stays the same
We hold out for some day
And nothing stays the same

Oh, liebes Leben. Es ist ganz schön schwer wieder auf die richtige Spur zu kommen wenn man sich mal etwas verfahren hat. Aber immerhin bin ich schon ordentlich rumgekommen. Und an den meisten Tagen eigentlich auch noch ganz gern weiter unterwegs.

Somewhere deep inside
We're holding on to dear life
Oh dear life





Donnerstag, 31. Oktober 2013

Irrungen Wirrungen

Die Zeitarbeitsfirma hatte neue Mitarbeiter geschickt und im Pausenzimmer wurde mächtig getuschelt:

Nein... aber das ist doch...!
Die Haare!
...aber die Stimme!
Aber der BH!!! Der BH!!!
Aber die Haare auf den Armen!
Ja und die Bartstoppeln???
...aber der BH...

Ich wurde dann schließlich auch nach meiner Meinung gefragt. Ich hatte die betreffende Person zwar nur im Vorbeigehen gesehen, aber ich ehrlich gesagt hatte ich mir dabei auch schon gedacht: "Hat die Frau etwa einen Bart???"

Es wurden dann weitere Spekulationen angestellt und es kam der Vorschlag zu beobachten, welche Toilette die Person denn benutzt. 
Ich hatte aber noch eine bessere Idee: Fragt doch einfach nach dem Namen! Da wurde es dann still am Tisch...

Heute war ich mit der Person an einer Maschine und hab dann also einfach mal ein Gespräch angefangen und dabei nach dem Namen gefragt. War gar nicht so schwer. Und ich hatte mit meiner ersten Vermutung auch direkt recht: Es handelt sich um einen weiblichen Namen.
Allerdings hab ich mich beim ersten Gespräch nicht getraut zu fragen, ob das nun eventuell früher mal anders war... Macht man ja auch nicht, oder?

Den Tuscheleien über mögliche genetischen Defekte oder OPs möchte ich mich aber trotz aller Neugier nicht anschließen. Eventuell werd ichs noch erfahren, aber eigentlich gehts mich ja auch gar nichts an. Das Leben ist ja sowieso schon kompliziert genug.

Übrigens haben wir gestern Schokolade für den Export nach Frankreich produziert. Unter belgischem Namen kann man dort dann bald Schokofiguren aus Deutschland naschen.
Außerdem statten wir ein schwedisches Möbelhaus mit Schokopferden aus, die wir aus einer extra nur dafür  angelieferten Schokolade aus Russland herstellen.

Heutzutage ist ja sowieso alles unmöglich.

Freitag, 18. Oktober 2013

Nix gelernt?

"Und warum hast du nix gelernt?"
fragt mich eine türkische Kollegin. "Warum hast du kein Beruf?"

Ich stehe da, kratze Schokoladenreste von Plastikformen und weiß nicht genau, was ich sagen soll.
Ich hab doch gelernt. Ständig gelernt. Immer wieder gelernt. Wochen lang. Monate lang. Jahre lang. Ich habe ein Magisterzeugnis der Philosophischen Fakultät der Uni Tübingen. Aber ein Beruf ist das halt nicht.

Ich kratze weiter an Plastikformen herum und fühle mich elend. So weit hab ich also gebracht, dass ich alte Schokolade wegkratzen muss. Und es kommt noch schlimmer: Der Stapel mit den dreckigen Formen neben mir ist plötzlich riesengroß geworden. Die Kolleginnen schauen schon böse und tuscheln. Ich bin zu langsam. Ich bin überfordert. Ich kann nicht schnell genug Kratzen. Ich hab nichts gelernt. Ich könnte heulen.

Aber vielleicht hab ich doch ein bisschen was gelernt: Jetzt aufgeben gilt nicht. Ich kratze schneller, der Stapel schrumpft wieder.

Und ich lerne immer noch. Damit ich bald doch auch einen "Beruf" habe: Lehrer für Deutsch als Fremdsprache.
Ein Gespräch kommt mir wieder in Erinnerung, Anfang des Jahres im Jobcenter mit meiner Arbeitsberaterin: "Aber das ist doch kein Beruf!" Sie will mir das demonstrieren indem sie mir ein Online-Formular auf ihrem Bildschirm zeigt, bei dem sie aus einer Liste auswählen kann, bei dem angeblich alle Berufe aufgelistet sind, die es gibt. Oder für die es zumindest die Chance einer offenen Stelle gibt. Und da entdeckt sie plötzlich: Diesen Beruf gibt es ja tatsächlich. Sie stottert verlegen rum...

Ich muss wieder an dieses Gespräch denken und frage mich: Ist das wirklich der Ausweg? Oder steh ich am Ende dann eben mit Beruf am Schokolade abkratzen? Nummer sicher ist ja dann doch was anderes.
Eine Kollegin wird sauer, weil ich keine Zeit habe ihr zu helfen. Aber sie sagt nichts, sie schaut nur böse. Also schaue ich nicht hin. Dann fängt sie an, lauter zu hantieren und knallt ein paar Mal auf ihrem Tisch herum. Es ist mir egal. Ich kratze weiter so gut ich eben kann. Meine Stimmung liegt irgendwo am Boden, die könnte man auch direkt abkratzen.

Ich will nicht noch mehr lernen, wenn dann am Ende unterm Strich doch nur zum "nix" abgerundet wird.
Bin ich mir denn sicher, dass dieser Weg der richtige ist? Diese Frage schon wieder, immer wieder mal taucht sie auf. Und während ich weiter Schokolade kratze komme ich einmal mehr zu dem Ergebnis: Ich sehe keinen anderen Weg. Und ein Weg ist doch besser als keiner, oder? Besser als: Ich kratze Schokolade, meine Finger tun weh weil ich den Griff von meinem Kratzer zu fest umklammere, und trotzdem ist man nicht zufrieden mit mir.

Endlich kann ich nach Hause und stürze mich im Internet in Stellenangebote: Für mich jetzt wie ich bin gibts mal wieder so fast nichts. Für den Rest hab ich mich schon beworben.
Ich tippe "Lehrer" und "Deutsch als Fremdsprache" und bekomme rund 50 Treffer aus den Angeboten der letzten 2 Wochen. Ein paar scheiden natürlich aus (gute Französischkenntnisse, 2 Jahre Berufserfahrung, etc.), aber bei etwa 30 könnte ich mich bewerben, wenn ich meinen Beruf hätte. Endlich ein Lächeln. Ja ich bin auf einem Weg der zu einem Ziel führt. Ich hab was gelernt und ich geb nicht auf. 

Und bis dahin wird eben Schokolade gekratzt... auch wenn am Ende niemand damit zufrieden ist. Aber eigentlich ist das auch gut so.


Freitag, 11. Oktober 2013

Herbst?

Heute auf dem Weg zur Arbeit leuchtet plötzlich die kleine Schneeflocke neben der Temperaturanzeige auf: Gerade mal 2 Grad!!! Womöglich gibt es zum Wochenende auch schon den ersten Schnee hier.
Also eigentlich wird es höchste Zeit, dass ich den Kürbis in der Speisekammer auch endlich mal zubereite. Denn vorgestern hatte ich bei der Arbeit auch schon das erste Schoko-Osterei genascht. Denn da laufen seit dieser Woche auch schon die ersten Osterhasen übers Band, die den letzten Adventskalendern zuwinken.

Ach, dieses Jahr wird einfach nicht mehr normaler.

Samstag, 21. September 2013

Schlafen in Gefangenschaft

Ich habe heute gelesen, dass 3-Finger-Faultiere in Gefangenschaft fast 10 Stunden länger schlafen als in freier Wildbahn! Bei anderen Tieren wie z.B. dem Koala hat man ähnliches beobachtet.
Ja, es gibt Wissenschaftler, die erforschen sowas:

Sleeping outside the box: electroencephalographic measures of sleep in sloths inhabiting a rainforest

Aber ist das nicht eigentlich auch beim Menschen so? Wenn wir nur zu Hause rumhängen, unser Essen und alles was wir brauchen vorgesetzt bekommen, schlafen wir doch auch mehr, als wenn wir draußen unterwegs sind.

Denn wenn ich mir jetzt nicht erst noch mein Essen im Supermarkt erlegen müsste, wäre es durchaus möglich, dass ich mich stattdessen auch nochmal hinlegen würde!

Dienstag, 10. September 2013

Wahlmarathon

Meine Güte, so viele Wahlzettel! 
Letzte Woche habe ich mich endlich dran gemacht, meine Briefwahlunterlagen zu bearbeiten. Hier in Bayern haben sie sich ja ausgedacht, dass wir doch am 15.September zur Wahl gehen sollen, und gleich 1 Woche später nochmal. Oder hat man die Landtagswahlen vorgezogen, weil man davon ausgehen muss, dass nach der Eröffnung des Oktoberfests am 21.September am Tag danach halb München eh noch nicht nüchtern genug ist, um zur Wahl gehen zu können? Wie auch immer, mit so einem Quatsch wird man die Wahlbeteiligung sicherlich nicht erhöhen können... aber mir ja eh egal, Briefwahl ahoi!

Landtag, Bezirkstag und über 6 Verfassungsänderungen musste ich nun also abkreuzen. Bei den Parlamenten hier kann man nicht wie für den Bundestag eine Partei mit einer vorgegebenen Listenreihenfolge wählen, sondern man muss seine Zweitstimme einem einzelnen Kandidaten geben. Das hatte zur Folge, dass jede Partei eine mehr oder weniger lange Kandidatenliste hatte. Und da standen dann lauter Leute drauf, von denen ich noch nie was gehört habe. Toll. Für meine Erststimme hatte ich mich nun ja extra kurz über die Kandidaten informiert, damit ich nicht einfach nur eine Partei wähle. Wobei das hier in Bayern eigentlich eh für die Katz ist, weil die CSU außer in München eh überall gewinnt. Aber egal, es geht ja auch ums Prinzip.
Aber was sollte ich nun mit dieser endlosen Kandidatenliste tun? Naja, da hab ich mich dann letztlich doch für eine Partei entschieden und da dann eben einen Kandidaten aus meiner Stadt gesucht und dem mein Kreuz vorgesetzt. Ob der jetzt mehr drauf hat als irgendjemand sonst auf der Liste weiß ich zwar nicht, aber immerhin könnte ich bei dem Mal zu Hause vorbeischauen und mich persönlich beschweren, falls der was verbockt.

Und dann diese Verfassungsänderungen... da hab ich mich erstmal hingesetzt und die Verfassungstexte gelesen. Größtenteils nur viel Bla-Bla. Dass der Wohlstand gleichmäßiger verteilt werden soll in ganz Bayern, egal ob Stadt oder Land. Ja, sollen sie das halt mal in die Verfassung rein schreiben. Aber nur weils da steht ändert sich doch nichts. Da hätten die Parlamentsabgeordneten doch sinnvolleres tun können, als sich einen tollen neuen Satz für die Verfassung zu überlegen und darüber abzustimmen, oder? Dann waren da aber auch noch Sachen dabei, wo ich nicht einfach zustimmen wollte. Noch mehr Politikverflechtung brauchen wir hier in Deutschland wirklich nicht mehr und am Ende passiert noch weniger, wenn die einen erst die anderen Fragen müssen, ob sie den dritten erlauben dürfen, sich über die und jenes Gedanken zu machen. Genauso wenig versteh ich, warum man plötzlich anfängt, einfache Gesetze die den Haushalt betreffen, in die Verfassung zu setzen. Eigentlich sollten da ja die wirklich wichtigen Punkte, die Grundpfeiler unseres Staates (Aufbau, Organisation, usw.) festgehalten werden. Nee, da sollen sie einfach mal ein Gesetz draus machen und fertig.

Ziemlich dick war der eine Umschlag am Ende. Gut 5mal so dick und doppelt so groß wie der für die Bundestagswahl. Aber damit bin ich meinen demokratischen Pflichten erstmal nachgekommen. Ändern wird sich dieses Jahr aber eh nix mehr. Merkel bleibt Merkel und Seehofer bleibt Seehofer. Denn so illusorisch dürften doch selbst Steinbrück und Ude nicht sein, auch wenn ihr Job verlangt, dass sie das derzeit noch nicht zugeben dürfen um auf den letzten Metern nochmal richtig viel Geld in den Wahlkampf stecken zu können. Yay!

Sonntag, 4. August 2013

vom Glück

Glück
hatte die Frau, die gegen Mitternacht auf der Verkehrsinsel Pappaufsteller von der FDP aufstellen musste. Denn beinahe hätte ich sie mit dem Auto überfahren. Oder war es eigentlich mein Glück, sie nicht erwischt zu haben? Hatten wir uns beide das selbe Glück geteilt, oder hatte jeder ein eigenes Glück?

Glücklich
werde ich nicht mehr. Die Zeiten sind vorbei. - Meinte ein Arbeitskollege zu mir. Als ob man Mitte 40 nicht mehr glücklich werden könnte! Hängt natürlich davon ab, wie hoch man die Latte für das Glück legt. Aber macht "das große Glück" wirklich glücklicher als ein kleineres?

Denn erst gestern hatte ich mal mächtig
Glück
als ich im Supermarkt den letzten Liter Milch gekauft habe. Sonst hätte es heute morgen reichlich schwarz ausgesehen in meinem Kaffee.

Samstag, 20. Juli 2013

Übergelaufen

Kann es denn möglich sein, dass mitten in einer Halle, in der viele Leute arbeiten, ein Kessel mit Schokolade überlaufen kann, und es eine halbe Stunde lang niemand bemerkt? Kaum zu glauben, aber der Frühschicht passiert. Und wer kam dann in der Spätschicht dazu alles wieder sauber machen zu dürfen? Richtig, meine Wenigkeit. 

Und so waren wir dann rund 3 Stunden lang beschäftigt: Fest gewordene Schokolade vom Boden kratzen, den Rest mit heißem Wasser zu schmelzen und unter viel Schrubben zu entfernen. Maschinen auseinanderbauen, putzen und wieder zusammen bauen.

Was für ein Freitag... aber jetzt ist ja doch endlich Wochenende geworden.

Und immerhin weiß ich nun, dass es eben doch möglich ist: Unmengen von Schokolade wegputzen und dabei Kalorien verbrennen!

Sonntag, 14. Juli 2013

I smiled and suddenly hell broke loose

Samstag Nachmittag, Drogeriemarkt.
Ganz bieder stehe ich mit Klopapier und Zitronensäure zum Entkalken an der viel zu langen Schlange an der Kasse. Allen ist heiß, Kinder quängeln, es geht nur langsam vorwärts.

Der Mann hinter mir kann nun auch endlich seine Waren aufs Band legen und ich schiebe noch schnell so einen Trennbalken hinter mein Klopapier. Und da sehe ich: Eine große Packung Kondome, Gleitgel und noch irgendeine kleine bunte Tube. Ein Lächeln drängt sich mir da ins Gesicht und ich nicke meinem Nebenmann wohlwollend zu. Oder zumindest war das meine Intention. Der fasst das aber wohl anders auf:

"Ey, was glotzt du denn so??"

Und dann sagt er die magischen Worte:

"Hier gibts GAR NICHTS zu sehen!"

Und da wird es an beiden Kassen plötzlich ganz still und alle Leute verrenken sich die Hälse um zu sehen, was denn da passiert. Ich hingegen drehe dem ganzen den Rücken zu und wende meinen Blick fest nach vorne. Denn schon beginnen ein paar Hausfrauen zu tuscheln. Jemand lacht. Irgendwas passiert hinter mir.
Ich riskiere einen Blick zurück... der Mann hat seine Sachen gepackt und verschwindet gerade wieder im Inneren des Marktes. Ein anderer Kunde lacht nun lauter. Ich bin mir zahlen an der Reihe. Die Kassiererin meint mit einem Lächeln, dass ich ihr doch bitte nicht die Kunden vertreiben soll. Ich sage dass es mir Leid tut und verschwinde so schnell wie möglich.

Oh weia.

Mittwoch, 3. Juli 2013

Gewonnen!

Du kannst der Gewinner sein
Von Auto, Haus und Sonnenschein
...oder auch: Von einer CD! Yay! Gestern kam sie mit der Post! Einfach so, ohne Grund!

Dem Radiosender meines Vertrauen hab ich vor ner Weile eine Mail geschickt wegen einer Verlosung, und schwupps, hats mich getroffen. Der Elch weiß halt doch Bescheid!

Da war das gewinnen doch einfach! Doch wie der Herr Pohlmann da singt: Gewinnen kann eigentlich jeder. Mehr noch: Jeder kann der Größte sein, der sich nur traut es zu versuchen:

Du musst dein Zuhaus verlassen
Lässt es zurück auf fremden Straßen
Weißt nicht, was dich erwartet
Da, wo du hingehst
Du lernst zu fallen und kannst es wagen
Ist auch die Hoffnung so zerschlagen

Alles mit der Hilfe eines kleinen Yoda im Ohr:

Train yourself to let go
Of everything you fear to lose



Pohlmann. - Nix ohne Grund

Samstag, 22. Juni 2013

Da biste platt

Also seit ich jetzt 5mal die Woche in die Schokoladenfabrik muss und das etwas abgelegen ist, kann ich da mit dem Auto meiner Mutter hinfahren. Denn sonst stünde ich da Nachts um 23 Uhr, wenn meine Schicht vorbei ist, ganz schön finster in der Pampa.

Doch letzte Woche stand das Auto dann irgendwie etwas schief in der Gegend rum! Ja, da war die Luft raus aus einem Hinterrad. Reifen kaputt. Also musste der Wagenheber ran und das Ersatzrad kam endlich mal zu einem Einsatz. Als dann keine Schraube mehr locker war, ging es dann doch wie gewohnt weiter. In der Werkstatt hatten sie dann allerdings nur noch Winterreifen vorrätig, also musste ein neuer Reifen erst bestellt werden. Der Ersatzreifen freute sich also auf weitere Einsätze und musste nicht gleich zurück in den Kofferraum.

Doch letztlich brach dann doch der Tag an, der der letzte des Ersatzreifens werden sollte. Doch dann, Nachts nach der Arbeit: Ein Vorderreifen hatte schlapp gemacht. Und diesmal gabs kein Ersatzrad mehr. Mist. Was tun, nachts um 23 Uhr? Ein Gewitter gerade am aufziehen... super. Erst will ich das Auto stehen lassen. Aber was mach ich dann am nächsten Tag? Ich erinnere mich an eine spektakuläre Nachricht, wie eine alte Frau mit einem kaputten Reifen rund 100km auf der Autobahn dahingebrettert ist. Könnte ich da nicht in tiefster Nacht ein Stück auf der Landstraße dahinschleichen? Ich wage es: Mit 30 km/h mache ich mich auf den Weg durch den Regen. Vorsichtig in jede Kurve... und schließlich in die heimische Garage: Geschafft! Dort hängen dann die rettenden Winterreifen, von denen einer wieder zum Einsatz kommt.

 Da wir das Auto gebraucht gekauft hatten, ist es uns völlig entgangen, dass die Reifen ja auch gebraucht waren. Und so waren die nun auch schon 11 Jahre alt - und eigentlich sollte man ja spätestens nach 10 Jahren die Reifen wechseln (die Werkstatt empfiehlt sogar nach 7 Jahren). Denn dann passiert irgendwann das, was nun passiert ist: Die Schläuche werden spröde und werden dann gerade bei der Hitze der letzten Tage anfällig für Risse. Von außen kann man das am Profil nicht erkennen.

Statt einem neuen Reifen werden nun also gleich 4 gekauft und sind ab heute nun im Einsatz. Und hoffentlich brauch ich jetzt dann erstmal keinen Wagenheber mehr!

Sonntag, 16. Juni 2013

Choosing Joyce - Part II

Ulysses: Bloomsday

I have come to the conclusion that I cannot write without offending people.
- JJ -

Heute steigt meine Joyce Lektüre ins nächste Level auf. Was ursprünglich die 16 Kurzgeschichte für Dubliners werden sollte, ist dann doch etwas länger geraten. Und auch wenn ich jetzt ins Deutsche wechsle, werde ich vermutlich doch etwas länger als einen Tag für den Ulysses brauchen.

Happy Bloomsday, liebe Leser!

Mittwoch, 5. Juni 2013

Christian und die Schokoladenfabrik

Nikoläuse! Überall Nikoläuse!


Damit ist mein Zeitgefühl für dieses Jahr nun völlig dahin: Strand und Meer im Januar und Februar, Ostern im Schnee und seit Mai nun eben Adventskalender und Nikoläuse (ebenso wie äußerst Weihnachtsfrauen in knappem Top...), die dann ab Oktober schon wieder von Hasen und Eiern abgelöst werden sollen.

Ja, derzeit habe ich beruflich nun also mit Schokolade zu tun! Nach Pizza und Kaffee vollendet das nun meine Job-Trilogie der Grundnahrungsmittel. 

Zum Glück hab ich aber nicht nur mit Weihnachtsartikeln zu tun, sondern darf z.B. auch Pralinien befüllen: mal mit Nougat, mal mit Jogurt-Variationen, mal mit Rum oder auch mal mit Champagner. Und zur Qualitätskontrolle gehören natürlich auch sensorische Proben zu denen die Mitarbeiter aufgefordert werden. Und da muss man dann eben das probieren, was es auf Grund optischer Mängel nicht in die 1.Wahl geschafft hat.

Ansonsten ist es bisweilen schon auch etwas monoton und dieses "wie schnell die Zeit doch wieder vergangen ist" - Gefühl glänzt durch Abwesenheit. Aber immerhin in einer Sache bleibt mein chaotischer Lebenslauf konstant: Finanziell konnte bisher jeder Job noch einen drauf setzen! Und den Vergleich zum Zeitaufwand zum Vorgänger darf man gar nicht erst ziehen. Selbst dann nicht wenn man die Zeit für Polizeiverhöre und vor Gericht abzieht.

Samstag, 1. Juni 2013

Choosing Joyce - Part I


Dubliners: Bloomsday -15 Tage

15 Kurzgeschichten, damit Beginne ich meine Reise in die literarische Welt von James Joyce. Und es sollte mich doch sehr wundern, wenn das nicht in einer Odyssee enden wird.
Da ich ja eine Vorliebe für komplexe Erzählstrukturen habe, habe ich mir schon viel zu lange keine Zeit für den Herrn Joyce genommen. 
Daher breche ich nun auf, erstmal mit englischer Lektüre im Gepäck, um seiner Sprache erstmal direkt auf den Pelz zu rücken. 

Donnerstag, 16. Mai 2013

Zwischen den Zügen

Ein regnerischer Morgen am Bahnhof. Ich bin auf dem Weg zu einem Vorstellungsgespräch uns soll an Gleis 3 in einen Zug nach Ulm einsteigen. An Gleis 3 steht kein Zug. Aber an Gleis 2 steht ein Zug, der nach Ulm fährt. Ich steige also ein. Hinsetzen und Musik auf die Kopfhörer, vielleicht gleich noch kurz einnicken.

Währenddessen fährt von mir unbemerkt auf Gleis 3 ein Zug ein, Leute steigen aus und andere ein. Und während ich dann so aus dem Fenster schaue, sehe ich den Zug davon fahren. Der Zug, in dem ich eigentlich sitzen sollte. Denn statt in den Regionalexpress zu steigen, sitze ich in der Bummelbahn, die erst 15 Minuten später losfährt und auch gut 1/2 Stunde länger braucht. Aber weil die sonst nichts zu tun hatte, stand die eben schon auf dem Bahnhof rum.

Kurz bin ich genervt über meine eigene Unkonzentriertheit, aber dann finde ich mich damit ab. Wozu hab ich über 1,5 Stunden Puffer eingeplant? Das klappt schon noch irgendwie.
Tja, doch dann fuhr in Ulm mein alternativer Anschlusszug knapp vor meiner Nase davon und ich musste auf die 3.Alternative warten. Und wie es nun mal ist: Die Züge die man verpasst fahren pünktlich ab. Züge auf die man warten muss, haben Verspätung. Im verspäteten Zug sitzend schwant mir dann schön Böses denn ich muss ja nochmal umsteigen. Und richtig, dieser Anschlusszug war pünktlich und schon weg als ich ankam.  Also dann in den nächsten Zug und es kommt wie es kommen muss: Ich bin 5 Minuten zu spät und völlig abgehetzt. Die besten Vorraussetzungen also, um einen Job nicht zu bekommen. 

Schicksal, Karma, Pech? Whatever. 
Dafür hab ich jetzt eben einen anderen Job, der sich als nächster bunter Flecken in meinen Patchwork-Lebenslauf einfügt und so gar nichts mit dem zu tun hat, was ich da mal studiert hatte.


- Fortsetzung folgt -


Montag, 22. April 2013

Ich such nicht mehr und finde nur - Bosse in München

Niemand vermisst uns und auch die Nacht vergisst uns schon.
Was du hörst sind nur Echos und die bleiben für immer.
Niemand vermisst uns und auch die Stadt vergisst uns schon.
Wir trampen vor bis zum Rücksitz und schlafen zum Meer.

Damit hat er es geschafft, der Axel: Er ist der erste Musiker für den ich schon 2mal Geld ausgegeben habe, um ihm live zuhören zu können! 2011 haben wir uns in Tübingen getroffen, und letzten Samstag dann also in München. Und diesmal wars sogar noch eine Spur mitreißender! Trotz neuer Hose die ihm zu eng war hat er es sich nicht nehmen lassen, gleich 2mal ins Publikum hinab zu steigen um einmal zu tanzen und andermal auf den Knien über den Sommer zu singen. Ich hätte nur meine Hand ausstrecken müssen, um ihm den Schweiß von der Stirn wischen zu können! Hab ich aber nicht gemacht, weil das wär eklig gewesen.

Auch instrumental ist die Show auch gewachsen: Eine Trompete war neu mit dabei, wie wahlweise auch mal gegen ein Saz getauscht wurde. Dementsprechend orientalisch wurde es bei "Istanbul" dann auch. Schön!
Am neuen Album finde ich stark, dass man auch inhaltlich Veränderungen merkt: Er ist Familienvater, besingt  u.a.a. Frau und Tochter und die Ängste die man da so hat. Das ist doch schonmal viel ehrlicher als die ganzen Rockbands, die Mitte 40 immer noch die gleichen Liebeslieder schmalzen.

Überwiegend rockig wars aber allemal und erstmals hab ich vom Tanzen sogar nen Muskelkater am Bauch. Und es macht einfach Spaß dem nicht mehr ganz so jungen Mann (Ey, der ist 2 Jahre älter als ich!) da auf der Bühne zu zu sehen, wie er das machen kann was er gerne macht: Musik.
Also freu ich mich besonders, dass es wohl gerade finanziell so gut läuft wie nie zuvor bei ihm, und wünsch ihm dass es so bleibt.

Für die nächsten Woche habe ich mir nun vorgenommen, mir eins seiner Lieder ganz besonders ernst zu nehmen, auch wenn ich selber noch nie bewusst Kraniche über Felder fliegen sah:



Was ich gelernt hab ist entspannt zu bleiben
Kommt alles auf den Tisch wenn die Zeit gekommen ist.
Bringt nichts zu verkrampfen bis die Maschinen dampfen
Das Leben ist zu kurz und viel mehr als in Ordnung.

Bei absolutem Wetter in Sonnenfarben
Leuchtet auch kaputtes wie die Auslage
Beim Juwelier. Bin sehr gerne hier
Wunderbar ratlos wenn sichs bewegt und nicht steht.

Ich such nicht mehr und finde nur.
Kommt sowieso an den Start was kommen mag.

Dienstag, 16. April 2013

Filmvorschau: Side Effects

Das Leben läuft nicht wie es soll, man ist unglücklich, wird depressiv. Die einfachste Lösung: Eine Pille schlucken und alles wird gut! Eventuell gibts Nebenwirkungen, aber auch dafür gibt es bestimmte eine Pille und wenn die auch wieder Nebenwirkungen hat, kommt die nächste zum Einsatz, usw.
Das wäre doch eigentlich interessant genug, damit Steven Soderbergh da einen Film draus machen kann, oder?

Emily Taylor (gespielt von Rooney Mara die anscheinend dem Gossip Girl Blake Lively da mal eben die Rolle weggeschnappt hat) muss ihr Luxus Leben erstmal aufgeben, nachdem ihr Mann Martin (Channing Tatum) wegen "Insiderhandel" ins Gefängnis muss. Insiderhandel nennt man es, wenn man mit Insiderinformationen Gewinne auf dem Börsenmarkt erzielt. Also wenn man z.B. schon vorab weiß, dass eine Pharma-Firma verklagt werden soll und sich dann schnell noch Aktien der Konkurrenz kauft, die dann plötzlich in die Höhe schnellen. Alles klar soweit?

Als Martin dann wieder aus dem Gefängnis heraus kommt, könnte also alles wieder gut werden. Doch geht es noch immer nicht gut und sie fährt mit Absicht ihr Auto gegen die Wand. Im Krankenhaus tritt daher nun also der Psyichater Jonathan Banks (Jude Law) in ihr Leben, der ihr helfen möchte. Neben Gesprächstherapie natürlich auch Pillen. Der gewissenhafte Jonathan bespricht sich dann auch mit Emilys früherer Therapeutin Victoria Siebert (Catherine Zeta-Jones), die das neue Mittel Ablixa empfiehlt. Auch Emily sieht in der U-Bahn ein großes Ablixa Plakat und will dann auch zu diesem Mittel wechseln.

Anscheinend hat Ablixa allerdings die Nebenwirkung des Schlafwandelns und so beginnt Emily plötzlich nachts Essen für 3 Personen zuzubereiten. Also bekommt sie ein weiteres Mittel gegen da Schlafwandeln, das aber nicht zu wirken scheint. Denn schon beim nächsten Nickerchen geht es wieder los und als ihr Mann Martin sie in der Küche anspricht, ersticht sie den dann eben mal mit dem Küchenmesser, bevor sie sich wieder ins Bett legt.

Emily muss also erstmal in Untersuchungshaft, die Mutter des Toten geht in eine Talkshow und schimpft gegen das Mittel Ablixa und den Psychiater trifft es auch hart: Er verliert seine Praxis und seine Nebentätigkeiten. Denn er scheint ja nun die Hauptschuld an dem Unglück zu tragen.

Und ab dann nimmt der Film immer überraschendere Wendungen: Wird der Psychiater verrückt? Oder war Emily am Ende nie depressiv? Catherine Zeta-Jones ist doch für eine unbedeutende Nebenrolle viel zu prominent besetzt! Die hat doch bestimmt auch noch irgendwas zur Handlung bei zu tragen. Denn da gibts ja auch noch eine andere Pharma-Firma, die jetzt plötzlich Gewinn macht durch die schlechte Publicity von Ablixa.

Mehr zu verraten wäre hier nicht angebracht! Denn der Film ist gut gemacht und büßt bei aller Verwirrung zwischendurch nur wenig an Spannung ein. Da kann man sich also ruhig selbst ein Bild von machen!

Zum Schluß also nur noch die eine Frage: Warum sieht man Jude Law das Älterwerden dermaßen an, und Catherine Zeta-Jones so überhaupt nicht? Aber das ist nun für den Film wirklich nicht weiter relevant.



Freitag, 12. April 2013

Jüngst vor Gericht


Was bisher geschah:

Januar: 


Ex-Chef zahlt nur einen Teil von meinem Gehalt; er sagt, er habe Geldprobleme und wird im Februar den Rest zahlen. Ich bin in Peru, muss die Reise an den Titicacasee erstmal streichen und denk mir: Na toll.


Februar: 

Zurück aus Peru ist immer noch kein Gehalt angekommen. Ich frage nach und es heißt: 
Ich würde dir gerne dein Gehalt auszahlen. Aber...
Ein Notebook soll im Dezember verschwunden sein. Und das wird mir jetzt in Rechnung gestellt. Ich erinnere mich: Ich war damals 4 Tage krank und als ich wieder kam, war ein Paket nicht da. Angeblich bei irgendjemand im Keller "zwischengelagert". Aber warum soll ich das jetzt zahlen? Ich erkläre die Angelegenheit - keine Reaktion mehr. Also wende ich mich ans Arbeitsgericht und mache meine Ansprüche geltend.

März: 

Nachdem ich seit Wochen nichts mehr von meinem Ex-Chef gehört habe, flattert nun endlich der Brief vom Gericht in Haus mit dem Verhandlungstermin. Er bekommt ihn auch und plötzlich meldet er sich wieder! Es hat sich herausgestellt, dass jemand anderes für das Notebook verantwortlich ist!
Somit steht mir nichts mehr im Wege dir dein restliches Gehalt zu überweisen.
Nur soll ich eben vorher die Klage zurückziehen. Dann bekomm ich mein Geld. Mitte bis Ende der Woche.
Ohne Gehalt, mach ich aber gar nichts und sage das auch.

April: 

Vor 2 Tagen auf einmal wieder eine Email: Ich soll mein Geld nun bekommen haben und die Klage zurückziehen. Und tatsächlich: Das Geld ist auf meinem Konto. Und ich soll jetzt so tun, als wär alles nie geschehen? Kann ein Chef denn einfach Gehalt auszahlen, wann es ihm gerade passt? Nee, da will ich doch mal sehen, was vor Gericht passiert.


vor Gericht:

Sie haben Ihr Gehalt jetzt bekommen? Dann ist doch alles in Ordnung, oder?
Der Richter schaut mich an. Ich kann nicht ganz glauben, was gerade passiert und bestehe auf eine Entschädigung. Der Richter lächelt ein wenig und fragt, ob ich mir denn schon ausgerechnet habe, wie viel das ist. Ich nenne den Betrag, den ich errechnet habe, allerdings nicht ganz glauben kann. Dem Richter vergeht das Lachen und rechnet mit dem Taschenrechner nach und kommt auf das selbe Ergebnis. Die Frau meines Ex-Chefs, die er als Unterstützung mit ins Gericht gebracht hat zückt sofort ihren Geldbeutel und sofort bekomme ich das Geld bar auf die Hand, was auch sogleich im Gerichtsprotokoll schriftlich festgehalten wird:

Der Kläger erhält 14 Euro in bar.
Und das wars dann. Die nächsten Bitte.

3 Monate Stress, Anschuldigungen, ein Konto am Rand der 0 und gescheiterte Reisepläne. Dafür jetzt aber Geld in der Tasche, um bei einem längst überfälligem Besuch in Stuttgart Kässpätzle mit Salat und nem Spezi essen zu können.

I've got no money in my hands or my coat or my pocket
Won't get to space 'cause I haven't got a rocket



If you can't get what you love
You learn to love the things you've got

If you can't be what you want

You learn to be the things you're not

If you can't get what you need
You learn to need the things that stop you dreaming

Donnerstag, 11. April 2013

Küssen oder an die Wand klatschen?

Heute musste ich an das Märchen der Gebrüder Grimm denken: 

Weil der Prinzessin ihre goldene Kugel in den Brunnen fällt, bitte sie ja den sprechenden Frosch um Hilfe. Und weil sie dann in dessen Schuld steht, schikaniert er sie den Rest des Tages herum. Das gipfelt dann darin, dass er Abends zu ihr ins Bett steigen will. Doch da wehrt sich die mit Gold um sich werfende Frau endlich, und beschließt zur Abwechslung mal den Frosch zu werfen. Also wird der mit Wucht gegen die Wand geklatscht, und während er runter rutscht, verwandelt er sich in den Prinzen zurück, der nun wohl endlich seine Lektion gelernt hat.

Wer kam da nun also bitte auf die Idee, das "an die Wand klatschen" durch einen Kuss zu ersetzen? 
Und warum denkt man dann heute auch noch, dass Frösche küssen etwas bringen soll? An die Wand klatschen muss man die! So.

Montag, 1. April 2013

Leseliste 2013


Nach 2011 ( 9.097 Seiten) waren es 2012  dann doch nur 7.017 Seiten. Und Angesichts dessen, was da noch im Regal steht, werde ich noch Jahre beschäftigt sein. Zumal sich das ja auch noch weiter vermehrt, auch wenn ich eine hammerharte Geburtenkontrolle eingeführt habe. Am Ende bringt man dann eben doch nicht nur einen Vargas Llosa aus Peru mit, z.B. Und mal ganz zu schweigen von meiner Liste an Büchern, die ich eigentlich auch noch gern lesen würde. Aber zuerst muss nun mal das weg, was schon da ist. ;)

Immerhin: Letztes Jahr hab ich mich durch so dicke Brocken wie Infinite Jest im englischen Original durchgekämpft, und das trotz anstrengendem Job.

Also: Weiter gehts!


Done:  (8.145 Seiten)   ✔

  • Howard Clinebell: Modelle beratender Seelsorge *
  • Fred J. Greve: Seelsorge  ***
  • Armin Sierszyn: 2000 Jahre Kirchengeschichte. Band 3 **
  • Philip Yancey: Sehnsucht nach dem unsichtbaren Gott  ***
  • Jörg Roche: Fremdsprachenerwerb und Fremsprachendidaktik ****
  • Jörg Roche: Interkulturelle Sprachdidaktik ***
  • Petra Hölscher u.a.: Handlungsorientierter Unterricht mit Lernszenarien **
  • Petra Hölscher: Lernszenarien ***
  • Peter Bimmel, Bernd Kast, Gerd Neuner: Deutschunterricht planen ***
  • Helga Dieling, Ursula Hirschfeld: Phonetik lehren und lernen **
  • Karin Kleppin: Fehler und Fehlerkorrkektur  ***
  • Sibylle Bolton: Probleme der Leistungsmessung ***
  • Herman Funk, Michael König: Grammatik lehren und lernen ***
  • Rainer Bohn: Probleme der Wortschatzarbeit ***
  • Bernd Kast: Fertigkeit Schreiben ***
  • Heide Schatz: Fertigkeit Sprechen ***
  • Peter Bimmel, Ute Rampillon: Lernerautonomie und Lernstrategien **
  • Inge C. Schwerdtfeger: Gruppenarbeit und innere Differenzierung ***
  • Christa Dauvillier, Dorothea Lévy-Hillerich: Spiele im Deutschunterricht ***
  • Markus Biechele, Alicia Padrás: Didaktik der Landeskunde ***
  • Dominque Macaire, Wolfram Hosch: Bilder in der Landeskunde ***
  • Monika Bischof, Viola Kessling, Rüdiger Krechel: Landeskunde und Literaturdidaktik ****
  • James Joyce: Dubliners ****
  • James Joyce: Ulysses ***
  • Virgina Woolf: Mrs Dalloway  ****
  • Stephen King: Under the dome *****
  • Stephen King: Needful Things *****
  • Rüdiger Safranski: E.T.A. Hoffmann ****
  • E.T.A. Hoffmann: Die Elixire des Teufels ***
  • Christa Wolf: Kassandra  ****
  • Christa Wolf: Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud **
  • Stephan Thome: Grenzgang **


Doing:
  • Pablo Neruda: Antología General ( 212 / 547 Seiten) ****
  • E.T.A. Hoffmann: Die Serapions Brüder ( 406 / 1134 Seiten) ****



To do: ( 20.682 Seiten)

- Armin Sierszyn: 2000 Jahre Kirchengeschichte. Band 4 ( 431 Seiten)
- J.R.R. Tolkien: The Hobbit - There and back again ( 389 Seiten)
- J.R.R. Tolkien: The Lord of the Rings ( 1008 Seiten)
- Ralf Isau: Die geheime Bibliothek des Thaddäus Tillmann Trutz ( 500 Seiten)
- Ralf Isau: Der Mann, der nichts vergessen konnte ( 460 Seiten)
- Miguel de Cervantes Saavedra: Don Quijote ( 1103 Seiten)
- Fjodor M. Dostojewski: Schuld und Sühne ( 721 Seiten)
- Gottfried Keller: Der grüne Heinrich ( 807 Seiten)
- Theodor Fontane: Frau Jenny Treibel ( 206 Seiten)
- Theodor Storm: Der Schimmelreiter ( 146 Seiten)
- Wilhelm Raabe: Die Chronik der Sperlingsgasse ( 176 Seiten)
- Adalbert Stifter: Abdias ( 105 Seiten)
- Günter Grass: Die Blechtrommel ( 779 Seiten)
- Günter Grass: Katz und Maus (179 Seiten)
- Günter Grass: Hundejahre ( 682 Seiten)
- Günter Grass: Die Rättin ( 505 Seiten)
- Thomas Mann: Buddenbrocks ( 759 Seiten)
- Ingeborg Bachmann: Todesarten. Malina und unvollendete Romane ( 554 Seiten)
- Ingeborg Bachmann: Erzählungen ( 598 Seiten)
- Monika Albrecht / Dirk Göttsche (Hrsg.): Bachmann Handbuch ( 308 Seiten)
- Rüdiger Safranski: Romantik ( 394 Seiten)
- K.L. McCoy: Mein Leben als Fön ( 204 Seiten)
- H.P. Lovecraft: Das Ding auf der Schwelle. Unheimliche Geschichten ( 211 Seiten)
- Henry Slesar: Coole Geschichten für clevere Leser ( 333 Seiten)
- Brian Moore: Schwarzrock ( 265 Seiten)
- Isabel Allende: La casa de los espíritus ( 454 Seiten)
- Mario Vargas Llosa: Das Fest des Ziegenbocks ( 538 Seiten)
- Mario Vargas Llosa: Briefe an einen jungen Schriftsteller ( 116 Seiten)
- Mario Vargas Llosa: La ciudad y los perros (444 Seiten)
- Mario Vargas Llosa: Conversación en La Catedral ( 727 Seiten)
- Jesús Díaz: Die Initialen der Erde ( 507 Seiten)
- Alejo Carpentier: Die Methode der Macht ( 387 Seiten)
- Gabriel García Márquez: Der Herbst des Patriarchen ( 281 Seiten)
- Julia Alvarez: Die Zeit der Schmetterlinge ( 461 Seiten)
- Elsa Osorio: Mein Name ist Luz ( 445 Seiten)
- Erich Fromm: Haben oder Sein ( 234 Seiten)
- Péter Esterházy: Harmonia Caelestis ( 921 Seiten)
- A. E. Wilder Smith: Allversöhnung: Ausweg oder Irrweg? ( 78 Seiten)
- Bill Bright: Mitarbeit am Missionsauftrag - Wie macht man das? ( 60 Seiten)
- David Wilkerson: Das Kreuz und die Messerhelden ( 159 Seiten)
- Hans-Joachim Hahn: Umkehr in Babylon ( 156 Seiten)
- Theo Lehmann: Mir fehlt doch nichts. Reden für junge Leute. ( 96 Seiten)
- William MacDonald: ...und führte ihn zu Jesus. ( 63 Seiten)
- Wilhelm Busch: Jesus predigen - nicht irgendwas! ( 92 Seiten)
- Wilhelm Busch: Und überhaupt und sowieso. Reimweisheiten ( 160 Seiten)
- Gregor Piatigorsky: Mein Cello und ich und unsere Begegnungen ( 221 Seiten)
- Anneliese Löffler (Hrsg.): Märchen aus Australien. Traumzeitmythen der Aborigines ( 255 Seiten)
- Georgios A. Megas (Hrsg.): Griechische Volksmärchen ( 304 Seiten)
- Ré Soupault (Hrsg.): Französische Märchen. Volksmärchen des 19. und 20. Jahrhunderts ( 279 Seiten)
- Goethe: Faust I + II ( 356 Seiten)
- Goethe: Die Leiden des jungen Werther ( 117 Seiten)
- Goethe: Wilhelm Meister (Lehrjahre + Wanderjahre) ( 556 + 392 Seiten)

Freitag, 22. März 2013

Warum ich schon GEZahlt habe!

Und da schon wieder jemand, der mich zu irgendwelchen Protestaktionen gegen die GEZ animieren will.
Eine Unterschriftenaktion, damit der Bundestag einsehen soll, dass die Gebühr verfassungswidrig ist? - Ach Leute! Einerseits sind die Landtage dafür zuständig, und andererseits hat der Bundestag auch nichts mit Verfassungsklagen zu tun, sondern das Bundesverfassungsgericht. Da kann man ja auch gleich zum Metzger gehen und verlangen, dass auf die Torte mehr Bio-Sahne soll.

Und drittens ist diese Steuer alles andere als neu. Nur wird sie jetzt eben anders eingetrieben, was im Vergleich zum Vorgängermodell (Leute der GEZ stehen vor der Tür und fragen nach, ob man nicht vielleicht doch einen Fernseher oder ein Radio oder einen Computer hat...) eine Verbesserung. Zumal sich jetzt diejenigen, die von der Gebühr befreit  sind (Schüler, Studenten, Arbeitslose, etc.) auch automatisch nicht mehr zahlen und keinen Antrag mehr stellen müssen. Dass diejenigen mit 2 Wohnsitzen jetzt anscheinend doppelt zahlen müssen, das sollte man hingegen noch ändern.

Nun, den meisten stinkt es jetzt eben, dass sie nicht mehr lügen können, sondern einfach zahlen müssen. Also wird jetzt plötzlich demonstriert und auf die Freiheitsrechte gepocht. Weil man ja sowieso nie ARD und ZDF schauen würde und die das Geld eh nur verschwenden für Seebühnen vor Usedom. Und das ist dann leider auch schon alles, was den Leuten zu den Öffentlich-Rechtlichen-Medien einfällt.

Statt mich nun darüber zu beklagen, dass Gelder an Till Schweiger für unterirdische Tatort-Darbietungen fließen, oder zu lamentieren dass mir  Verfilmungen von Rosamunde Pilcher Romanen sowas von gestohlen bleiben können, will ich doch lieber mal aufzählen, warum ich meine Gebühr jetzt schon seit einem Jahrzehnt zahle:

Einerseits ist da das Radio, das ich gern höre. Früher wegen der Musik, mittlerweile eher um mir zur vollen Stunde einen kurzen Nachrichtenüberblick zu verschaffen. Im Auto ist das Radio hingegen immer noch praktisch, gerade für kürzere Strecken. Außerdem war ich nun selbst auch schon mehrfach auf kostenlosen Musikveranstaltungen meines öffentlich-rechtlichen Lieblingssenders. Und ich kenne Leute, die da auch Arbeit gefunden haben.
Ich könnte mich jetzt darüber aufregen, dass rein rechtlich gesehen meine Gebühr derzeit an den bayerischen Rundfunk weitergeleitet wird (den ich so gar nicht mag), ich aber den Südwestrundfunk höre.

Weiter nutze ich auch die öffentlich-rechtlichen Dienste im Internet sehr ausgiebig: tagesschau.de ist für mich die erste Adresse, wenn ich detaillierter nach Nachrichten suche. Ich finde das dort am Vollständigsten, Zuverlässigsten und Aktuellsten. Ich erinnere mich noch gut, wie ich beim Fukushima-Unglück über den Tag verteilt mehrere Seiten verglichen habe und wie viele Nachrichten anderswo größtenteils Spekulationen waren.
Auch wenn ich die Nachrichtensendungen im Fernsehen vergleiche, dann muss man einfach sagen, dass die öffentlich-rechtlichen da Qualitativ einfach vorne liegen. Anderswo gibt es Star-News und das neue Album des letzten Casting-Stars statt Außenpolitik. Auch bei den politischen Talkrunden (auch wenn ich die nur selten sehe; reden kann man ja eh viel), habe ich den Eindruck, dass da die öffentlich-rechtlichen die Nase vorn haben.

Auch was die Sportberichterstattung angeht, so finde ich die Versuche der Privatsender jeweils etwas erbärmlich (zum Glück haben wir die Sportschau wieder!). Außerdem werden sich auch nur die derzeit beliebten Sportarten unter den Nagel gerissen und sobald man nicht mehr genug Geld damit verdienen kann, wieder abgeschoben (konnte man beim Skispringen gut beobachten).

Zugegeben: Beim Unterhaltungsprogramm bevorzuge ich doch Sachen, die auf Privatsendern laufen. Aber ich gehöre ja auch zu der werberelevanten Zielgruppe, die erreicht werden soll. Meine Mutter, die schon länger nicht mehr als werberelevant gilt, bevorzugt hingegen die öffentlich-rechtlichen: Theatervorstellungen, Mundartbühne, Volksmusik und selbst die deutschen Krimis sagen ihr zu, obwohl sie die amerikanischen gar nicht leiden kann.
Nur hin und wieder schaue ich mir mal gezielt einen Film bei den öffentlich-rechtlichen an (so langsam lerne ich auch das gratis HD zu schätzen), oder einen Konzert-Mitschnitt auf EinsPlus und wie die ganzen kleineren Anhängsel-Sender da noch alle heißen. Da gibts doch immer wieder mal nette Sachen.

Für mich haben die öffentlich-rechtlichen aber ihre Stärke in der Informationsvermittlung. Und ich finde es eben doch wichtig, dass es möglichst unabhängige Berichterstattung gibt und mir nicht der Kauf eines Musikalbums als Top-Schlagzeile serviert wird.

Dabei zahle ich nun auch Sachen, die ich nicht benutze. Soll ich mich darüber nun beschweren? Damit ich nur das zahle, was ich auch haben will? Krankenversicherung zahle ich nun auch, obwohl ich in den letzten Jahren kaum einen Arzt gebraucht habe. Regt sich da nun jemand auf? Nein, denn irgendwann könnte sich das ja ändern. Und genauso wie meine Mutter jetzt häufiger zum Arzt muss, nutzt sie mittlerweile fast ausschließlich öffentlich-rechtlich. Aber wenn sie die Wahl hätte, extra zahlen zu müssen, würde sie sicherlich sparen wollen.
Überraschenderweise überschneidet sich die Menge der Leute, die vor ein paar Jahren noch "Bildung für alle" gefordert haben, jetzt aber vorschlagen, die Nachrichten für  diejenigen, die nicht zahlen wollen, zu verschlüsseln.
Ob man die Gebühren eventuell senken sollte... möglicherweise. Darüber könnte man doch mal nachdenken. Und da könnte man auch sicherlich Argumente aufbringen und mehr Leute für eine Aktion gewinnen. Aber die Gebühr ganz abschaffen? Nein, bitte nicht.

Ob es tatsächlich noch ein paar Leute in Deutschland gibt, die mit den öffentlich-rechtlichen Medien gar nicht in Berührung kommen? Aber vielleicht könnten die die Gebühr auch zum Anlass nehmen, einfach ein paar Serviceleistungen zu nutzen?

Dienstag, 19. März 2013

Filmvorschau: Dead Man Down

Es gibt Darsteller, die scheinen ein Abo für die Sneak-Preview zu haben. Ich weiß gar nicht, wie oft ich Julianne Moore in den letzten Jahren jetzt schon dort gesehen habe. Vor ein paar Jahren war es mit Martina Gedeck ganz schlimm, weil ich die Filme mit ihr gar nicht mochte (auch wenn es weniger an ihr lag). In letzter Zeit gibt es alle Nase lang eine Komödie mit Paul Rudd, immer als Ehemann in einer Lebenskrise.

Gestern gab es dann mal wieder Colin Farell zu sehen. Der hat es ja bisher auch nie geschafft, eine wirklich gute Rolle abzugreifen. Mit "Dead Man Down" ist ihm das zumindest wieder nicht gelungen.
Er spielt Victor, der eigentlich Lazlo heißt. Und er ist auf einem Rachefeldzug, weil ein Gangster-Boss seine Familie ermordet hat. Dazu infiltriert er das Gangster-System, bringt heimlich Leute um und verschickt rätselhafte Briefe mit Teilen eines zerrissenen Bildes seiner Familie.
Ganz Profi-mäßig hat Victor/Lazlo also in seiner Wohnung hinter dem Kühlschrank ein verstecktes Zimmer mit Bildern von all denen, die er noch umbringen muss. Und nachts schaut er sich Videos von seiner Tochter an und weint.

Dann gibts da noch seine Nachbarin Beatrice (Noomi Rapace). Die will auch Rache, weil ihr Gesicht durch einen Autounfall entstellt ist und der Unfallverursacher nur 3 Monate im Gefängnis saß. Als sie Victor/Lazlo dabei filmt, wie er in seiner Wohnung jemanden umbringt, scheint sie die Lösung ihrer Probleme gefunden zu haben: Victor soll für sie morden und das Video auf ihrem Handy eignet sich gut als Druckmittel.
Hier haben wir allerdings auch schon den ersten Kritikpunkt: Die Maske. OK, sie hat ein paar Narben im Gesicht. Aber so schlimm sieht das nun auch wieder nicht aus und es wirkt unglaubwürdig, dass die Kinder auf der Straße "Monster" rufen und sie mit Steinen bewerfen. Und warum sie ihre Narben nicht ab und an mit Make-Up verdeckt, ist auch nicht ganz logisch.

Heimlich verfolgt sie Victor also bei seiner Arbeit und bekommt so die Gelegenheit, ihm bei einer Flucht helfen zu können. So entwickelt sich dann langsam (sehr langsam!) eine Beziehung zwischen den beiden, mit Essen in Tupperware und einer hellgrünen Hasenpfote die Glück bringen soll.
Nebenbei arbeitet er also daran, für sie Rache zu nehmen, während seine Gangster langsam auf die Schliche kommen, welches Doppelleben er führt und er sich eigentlich beeilen sollte.

Aber irgendwie kommt der Film nicht so richtig in Fahrt. Wenn man dann mal durchschaut hat, was da denn nun genau in der Vorgeschichte zu der jetzigen Situation geführt hat, und wie komplex das Gestrüpp aus Kriminellen und Rachsüchtigen insgesamt ist, muss man dann doch erstmal noch mit ansehen, wie Victor und Beatrice sich gegenseitig bedauern und heimlich anschmachten. 
Sollte das also ein Action-Film sein? Anfang, Schluss und auch einige Szenen dazwischen deuten darauf hin. Doch dann gibts da auch diese ganzen langen Durchhänger in denen wenig passiert und hauptsächlich eine düstere, melancholische Stimmung entwickelt wird. Action-Fans gähnen dabei. Und Leute die diese stimmungsvollen Szenen mögen, werden bei der Brutalität der Kampfszenen gleich am Anfang schon abschalten.
Wikipedia nennt diesen Stilmix "neo-noir thriller crime film". Ich sage dazu eher "Rohrkrepierer der sich noch nicht mal für ein Rohr entscheiden kann".
Man muss dem Autor J.H. Wyman (The Mexcian; Fringe) und dem dänischen Regisseur Niels Arden Opelv (The girl with the dragon tatoo) zumindest Bemühtheit attestieren, hier etwas Neues zu mischen. Aber leider wirkt der Film dann eben auch vor allem eines: Bemüht. Und nur mit Mühe rettet man sich über viele Minuten, in der noch mehr Leute eingeführt werden, die Rache wollen oder an denen Rache geübt werden muss, weil sie auch irgendwie beteiligt sind. Da sitzt mal einer gefesselt und geknebelt in einer Pfütze im Keller. Dort trifft man sich nachts auf einem Schiff und will die Rache vorantreiben. Das ist dann leider doch zu überladen.

In weiteren Rollen hätten wir dann noch Terrence Howard als fast schon sympatischer Gangsterboss, Dominic Cooper als fast schon rechtschaffenen Gangster und Victors fast schon besten Freund und Isabelle Huppert als Beatrices fast schon gehörlose französische Mutter. 
Nicht mitspielen darf die Sonne, denn wenn es nicht gerade Nacht ist, dann ist es bewölkt bis regnerisch; und ich will ja nicht zu viel verraten, aber das große Gewitter gibts natürlich zum Finale.


Dienstag, 12. März 2013

Hausdurchsuchung

Der Wecker zeigt kurz nach 7.

Klingeln an der Haustüre hat mich geweckt. Aber ey, das ist zu früh. Wir haben noch geschlossen! 
Ich drehe mich wieder um.

Ding-Dong. - Ding-Dong. - Ding-Dong. - Ding-Dong.Ding-Dong.Ding-Dong.Ding-Dong.Ding-Dong.Ding-Dong....

Meine Fresse! .... Ist vielleicht was passiert? Steht das Nachbarhaus in Flammen? Oh mein Gott, ich schwebe in akuter Lebensgefahr! 

Ich falle aus dem Bett und renne zur Tür. 

"Guten Morgen. Zollfahndung." - 4 Leute stehen vor meiner Tür und halten mir erst einen Ausweis, und dann ein Stück Papier unter die Augen: Ein Durchsuchungsbeschluss. Für meine Wohnung. "Wir müssten jetzt also in Ihre Wohnung." Und schon standen sie zu viert bei mir im Gang. Ich hab keine Brille auf, bin nicht wirklich wach und habe keine Ahnung was los ist.

"Ähhm... hä? Was...?"

Langsam wird mir erklärt: Es geht um meinen ehemaligen Chef (den ersten vom letzten Jahr; nicht den zweiten, der mir mein Gehalt nicht zahlen will und behauptet, ich hätte ein Notebook eingesteckt). Der hat mir zwar Gehalt gezahlt, aber anscheinend keine Sozialversicherung. Und was halt alles so dazugehört, das man zahlen müsste, wenn man ein Unternehmen aufbauen will. So ganz legal. Und das ist nun plötzlich jemandem aufgefallen. Nach einigen Jahren. Und deswegen dürfen die jetzt meine Wohnung durchsuchen. Toll.

Ob ich eine Telefonnummer von meinem früherem Chef habe. Ich muss mein Handy anschalten. Das ist nachts aus, denn wenn ich schlafe, dann kann man mich nicht anrufen. Ich finde das logisch, doch jetzt schauen mich 4 Leute an und warten, bis mein Handy startklar ist. Dann endlich kann ich eine Nummer sagen. Aber die kennen sie schon. Enttäuschung. Trotzdem darf ich mir jetzt erstmal eine Hose anziehen.

Ich bin so frei und werfe mir zur Hose auch schnell noch eine Pulli über. Dann stehen die 4 auch schon im Wohnzimmer. Das Sofa ist belegt mir Kissen, Decken und Papieren. Ich setze mich auf den einzigen freien Sessel. Der Rest darf stehen bleiben. Es sind ja schließlich nicht meine Gäste. Kooperative händige ich Gehaltsabrechnungen, Arbeitsverträge und Kontoauszüge aus. Dann werde ich verhört. 1,5 Stunden lang. Ich erzähle von meiner Arbeit, von Leuten, die da auch noch gearbeitet haben. Ein paar kannte ich nur vom Vornamen her. Einer der 4 schaut auch noch schnell ins Schlafzimmer und in die Küche. Aber anscheinend ist es da nicht so interessant. Zwischendurch telefonieren sie. Man nennt mir noch mehr Namen und ich soll sagen, ob mir die bekannt vor kommen. Dann, endlich, wird mir das Protokoll des Verhörs vorgelesen. Besonders eloquent scheine ich ja nicht zu sein, frisch aus dem Bett geworfen. Eigentlich sollte ich das alles nochmal neu formulieren, was ich da gesagt habe. Aber egal. Ich unterschreibe die Protokolle. Ich bestehe darauf, dass ich schnellstmöglich Kopien von allen Unterlagen bekomme, die sie mitnehmen. Natürlich bekomm ich die wieder, sobald die Ermittlungen abgeschlossen sind. Und das wird in etwa 1/2 Jahr der Fall sein. Dann gehen sie.

Der Wecker zeigt Halb 9.

Donnerstag, 7. März 2013

Welche Krise eigentlich?

Ihr in Europa, was für eine Krise habt ihr da eigentlich?

So wurde ich gefragt in Peru und ich begann zu erzählen von Staaten, die mehr Schulden machen als sie jemals zurückzahlen können und von Banken, die Kredite vergeben die sie nie zurück bekommen und dann Pleite gehen.

Aber sterben Leute auf der Straße weil sie nichts zu essen haben? Sterben Kinder weil es kein sauberes Wasser und keine medizinische Versorgung gibt? Leben Menschen als Nomaden in den Wäldern und müssen Angst haben, dass sie von Holzfällern umgebracht werden? Nein? Also von welcher Krise redet ihr  da ständig?

Sonntag, 24. Februar 2013

Home sweet.... Fuck.

Was für eine Heimreise...
Von Anfang an gab es Schwierigkeiten: Wir standen vor dem Haus an der Straße und hielten ein Taxi nach dem anderen an. "Nein, zum Flughafen fahr ich nicht." Oder wenn dann nur zu einem astronomischen Preis. Nach etwa 20 Minuten, als ich fast schon bereit war jeden Preis zu zahlen, fanden wir dann aber doch einen fairen Fahrer der uns die herrliche Strecke am Strand entlang zum Flughafen gefahren hat. Das man dafür über 1 Stunde braucht, liegt nun einfach an der Größe der 10-Millionen-Stadt.

Dann am Flughafen stand ich dann vorm Schalter. Vorab hatte ich mir im Internet schon meine Plätze ausgesucht (bei Langstreckenflügen sitz ich gern am Gang, damit ich wenigstens aufstehen oder mal ein Bein ausstrecken kann). Da gabs dann natürlich den Schalter für die VIPs, wo natürlich niemand anstand. Und 4 andere Schalter mit 4 Schlangen. Da ich keinen Unterschied erkennen kann, stell ich mich einfach mal am kürzesten an. Sofort stürmen 2 Angstellte auf mich zu: 
Wohin ich denn fliegen will? 
Naja, diese Airline fliegt hier ja nur nach Amsterdam. 
Gut, dann sei ich hier richtig. Ob ich denn schon ein Ticket reserviert habe.
Ja, natürlich.
Ob ich meine Bordkarte schon habe?
Nein, die wollt ich ja nun gerade holen. Am Schalter.
Aber dann muss ich mich eins weiter rechts anstellen. Weil hier wo ich stehe nämlich nur Leute mit Bordkarte ihren Koffer abgeben können.
Ah... ok. (und vorsichtig frage ich nach) Woran kann ich das denn erkennen?
Man schaut mich fragend an: In dem man natürlich mit den Angestellten hier redet. Sich einfach irgendwo anstellen... Wo macht man denn sowas?
Ja, wo ich herkomme halt... Aber gut, stell ich mich eben eine Reihe weiter nach rechts. Und irgendwann bin ich dann dran. Ich zeige meinen Ausweis, nenne mein Endziel, lächeln... Es wird ein wenig auf dem Laptop herumgedrückt.
Aber ich stünde ja in der völlig falschen Schlange!!!
Wie bitte? Wieso das denn?
Na, ich hätte mir doch schon im Internet meine Plätze ausgesucht. Und für Leute, die ihre Bordkarte abholen und ihr Gepäck abgeben müssen, ihre Sitzplätze aber schon reserviert haben, hätten noch eins weiter rechts ran gemusst.
Also Sie können mir hier jetzt keine Bordkarte drucken und meinen Koffer entgegenehmen?
Doch schon... Aber Sie stehen in der falschen Schlange.
Aber alles was ich brauche können Sie doch jetzt erledigen???
Ja... hmmmm. Sprach sie, druckte meine Bordkarte und nahm meinen Koffer entgegen. Aber das nächste Mal stellen Sie sich an der richtigen Schlangen an!
Ja. Nächstes Mal.

Uff... was für eine schwere Geburt. Aber jetzt hab ich ja immer noch gut 2 Stunden Zeit bis zum Abflug... aber moment: Das Boarding soll schon in 20 Minuten beginnen? Das muss ja wohl ein Fehler sein. Ich gehe zurück zu den Angestellen hinten an den Schlangen und zeige meine Boardkarte:
Das ist doch viel zu früh, ist das ein Tippfehler?
Nein, nein. Bei Transatlantikflügen muss man schon rechtzeitig am Gate sein.
Aber dann würden wir ja alle über 1 Stunde im Flugzeug sitzen? Das kann doch nicht stimmen?
Ich solle jetzt mal lieber zum Gate gehen, denn wenn das geschlossen ist, käme ich nicht mehr ins Flugzeug rein.
Ja. Danke auch.

Ich mache mich auf dem Weg zum Gate. Passkontrolle. Ungepiept durch den Metalldetektor laufen. Handgepäck durchleuchten lassen. Gate suchen. Auch dort auf der Tafel stand, das es jetzt schon in 5 Minuten losgehen soll mit dem Boarding. Das Flugzeug ist allerdings noch gar nicht da. Und es kommt auch nicht in den nächsten 10 Minuten. Ich gehe mal vor zum Schalter und frage die Leute, wann es denn losgehen soll.
5 Minuten.
Also bleibt keine Zeit um noch etwas zu essen, oder so?
Nein, das Boarding beginnt in 5 Minuten.
Tatsächlich kommt dann auch mal eine Boing 777 angerollt. Aus der Leute aussteigen. Gut 20 Minuten lang störmen die Massen heraus. Auf der Anzeigetafel leuchtete aber nach wie vor "Boarding in 5 Minuten". 5 Latino Minuten. Ich bin in der Zwischenzeit dann trotzdem eine Runde spazierengegangen und wollte eigentlich ein Sandwich oder etwas in der Art kaufen, auch wenn es vermutlich völlig überteuert gewesen wäre. Aber der einzige Laden an dem ich vorbeikam hatte nur Schokolade, Parfum und Zigaretten im 300-Schachteln-Pack. Nee, dann eben nicht. Also wieder zum Gate, wo das Boarding noch immer in 5 Minuten beginnt.
Insgesamt dann über 1 Stunde nach der ursprünglich angesetzten Zeit dürfen die Passagiere das Flugzeug dann betreten. Nach den Sitzreihen gestaffelt müssen wir uns in 4 Reihen anstellen. Meine Reihe kommt als letzte dran. Als ich dran bin schimpft das Personal schon, dass wir uns jetzt aber wirklich beeilen müssten, weil wir etwas spät dran wären. Ja, klar.

Endlich mein Sitzplatz. Relativ weit vorne im Flugzeug, am Gang... neben einer Mutter mit Kleinkind auf dem Schoß. Großartig. Aus irgendeinem Grund wollten die das Kind auch nicht anschnallen und haben es mehrmals wieder abgegurtet, nachdem ein Steward den Gurt neu angelegt hatte. Ein paar Mal ging das dann hin und her. Nachdem sich dann alle anderen um uns herum mit Beschwerden in verschiedenen Sprachen um sich warfen, gaben sie doch nach. Dann: über 12 Stunden lang Geschrei, Getrete, Gesabbere auf engstem Raum auch auf meinen Beinen und auf meinem Sitz. Denn wenn man sich seinen Sitz schon mit einem Baby teilen muss, dann hat man doch wohl mindestens Anspruch auf den halben Sitz der Nachbarn. Dass kleine KInder aufwachen und um sich Treten und Schreien ist unvermeidlich. Aber weswegen man die Füße dann immer auf meinen Schoß legen muss und noch nicht mal die Lackschuhe ausziehen kann? Grrr... "Oh... hahahaha!" Gar nicht aufgefallen, achso. Auch beim 5.Mal dann nicht, klar.

In Amsterdam dann 40 Minuten Zeit bis zum Anschlußflug nach Stuttgart. Ich betreten den Flughafen am Gate F8. Ich muss zu B38. Also dann mal losgelaufen. Man tun mir die Beine weh nach der ganzen Sitzerei. Ich sehe ein Schild: A, B, C - Laufzeit 25 bis 30 Minuten.
Klasse. Ich eile über jedes Laufband. Bei der Passkontrolle stehen irgendwie nur Asiaten, aber davon ziemlich viele. Auch vor dem Schalter "Europäer". Eigentlich sollte ich nach meinen Erfahrungen mit falschen Schaltern ja eigentlich toleranter sein... aber ich drängel mich trotzdem einfach mal nach vorne: Excuse me, Europeans only, excuse me, thank you, thank you.
Hat wunderbar geklappt und ich eilte weiter in Richtung B - und endlich: B1... ich laufe weiter über Laufbänder... B2... B3... B4... B5... Ja, mein Gate war das letzte. Aber ich komme an. Rechtzeitig. In der Hektik eile ich sogar unbewusst an den VIP-Schalter. Aber da außer mit eh niemand mehr einsteigen will, sieht man das nicht so eng und ich bekomme vom VIP-Einchecker einen guten Flug gewünscht.

Der Flug angenehm kurz und kinderfrei. In Stuttgart dann frostig kalt. Ich warte auf meinen Koffer, der in 10 Minuten aus der Luke geschoben werden soll. Ich warte. Noch 5 Minuten. Dann: "Die Gepäckausgabe verzögert sich!" Es sind jetzt wieder 20 Minuten. Nach 10 Minuten das gleiche dann nochmal und es sind immer noch 15 Minuten. Nach 10 Minuten wieder eine Durchsage und die Anzeige springt von 5 auf 10 Minuten. Ich bin nach der durchflogenen Nacht völlig erschöpft. Nur kurz schließe ich die Augen... Jemand stößt mich in die Seite: "Aufwachen, das Gepäck kommt!" Grinsen. Ich muss im Stehen geschlafen haben. Wieder was Neues gelernt. Koffer - S-Bahn - Bahnhof - ICE hat Verspätung und kommt genau rechtzeitig. Anschlußzug wartet auch auf uns: Willkommen bei -8°C. Waren esnicht gerade noch +35°C. Mein Kopf beschwert sich. Mein Hals auch.

Endlich zu Hause. Post checken: Mein letzter Chef. Ich soll ein Notebook geklaut haben und jetzt bezahlen. Aber das ist verschwunden als ich krank im Bett lag? Hallo? 
Willkommen zu Hause. Langweilig wirds mir die nächsten Tage nun schonmal nicht.


Sonntag, 17. Februar 2013

Lautloses Trampeln

Ein schmaler Trampelpfad... aber wer trampelt da nur?

Vor ein paar Wochen auf dem Freizeitgelände in Pucallpa: Ein sehr schmaler Pfad erstreckte sich quer über das Gelände, von einer kleinen Gruppe Bananenbäume bis hin ins Gebüsch. Viel zu schmal für einen Menschenfuß. Und den ganzen Tag über passierte auch nichts auf diesem Weg. Das Gras schien einfach nur auf mysteriöse Weise niedergetrampelt zu sein. Da es bergauf und bergab ging konnte es auch kein Wasserablauf sein.

Doch des Nachts herrschte dann plötzlich reger Verkehr auf dem Weg, der sich als mehrspurige Autobahn speziell für den Transport von Bananenbaum-Blättern herausstellte: Eine Ameisenstraße!


Donnerstag, 14. Februar 2013

Liebe ist...

Frohen Valentinstag, meine Hasen!

Wo sind all die Chinesen hin?


China Town! Ja, auch Lima hat ein Barrio Chino! Da ich noch nie einem Asiatenviertel (oder gar in Asien) war, musste ich die Chance also direkt mal nutzen und vorbeischauen.

Aber: Irgendwie waren da so gut wie gar keine Asiaten. Und besonders groß war das "Viertel" auch nicht. Hauptsächlich war da Läden in denen man die verschiedensten Sachen einkaufen konnte. Kochtöpfe, Faschingskostüme, Lebensmittel, etc. Alles hinter chinesischer Dekoration. Naja. Wenigstens gabs chinesische Restaurants und so haben wir da lecker gegessen. Chinesisch. Von einer Latina in einem Kimono-ähnlichen Bademantel serviert. Warum auch nicht!

Wo wir dann aber schon mitten in der Stadt waren sind wir also einfach weiter gezogen. Und was sahen wir da auf einmal: Asiaten! Und zwar auf dem Plaza de San Martin! Ein ganzer Chor singender Asiaten auf einer riesigen Bühne! Und hinter der Bühne waren noch mehr Asiaten (wir haben auf Koreaner getippt), die auf ihren Auftritt warteten. Weil alles abgesperrt war konnte man nämlich nicht einfach so zuschauen, was auf der Bühne passiert. Also sind wir eben um die Absperrung herum, und standen dann plötzlich sehr nah am Backstage Bereich, wo die Sänger aus der Umkleide strömten. 

Etwa eine Stunde später standen wir dann auf einem Platz und bewunderten ein Haus, das von der eine Seite einer schweizer Berghütte nachempfunden war, von der Vorderseite aber spanisch-mexikanisches Flair verbreitete.

So haben wir uns dann also kulturell weiter durch den Tag wurschteln lassen und haben dann zu Hause angekommen mit Magnet-Dart-Pfeilen auf eine Weltkarte geworfen.



Sonntag, 10. Februar 2013

Wolken zersprengen

Wahrscheinlich lag es daran, dass ich etwas aus der Übung war, aber nach knapp 2 Stunden hatte ich es dann doch geschafft!






Samstag, 9. Februar 2013

Todesursache: Treppensteigen

Meine Beine sind am Ende: Soooo viele Treppen! Wie haben sich die Incas dabei denn nur gedacht, als sie ihre Stadt auf dem Machu Picchu gebaut haben?

Aber fangen wir vorne an, denn am Anfang waren 8 Stunden Autofahrt. Eingequetscht in einem Mini-Van mit 11 weiteren Personen, wobei jeder zusaetzlich seinen Rucksack auf dem Schoss hatte. So ging es in Serpentinen erstmal von 3400m auf 3800m, dann hinunter auf 1900m, um dann letzten Endes am Ziel wieder bei 2400m zu sein. Waehrend sich mein Kopf also wegen der Hoehe beschwert hat, begann im Magen eine Rebellion gegen die rasante Fahrweise, mit der wir um die engsten Kurven geduest sind. Manchmal auf nasser, schlammiger, einspuriger Fahrbahn am Berghang entlang. Einige im Bus schienen sehr begeistert davon zu sein, wie weit da unter uns gerade ein Fluss vorbeirauschte. Ich fand es hingegen eher bedenklich, dass unser Fahrer nebenbei auch noch am Telefonieren und Banane-Essen war.
Nun, ich hatte mir die Fahrt also eingebrockt, weil ich mir das Geld fuer den ueberteuerten Zug sparen wollte. Aber mittlerweile glaube ich, dass es das Geld wert gewesen waere, um diese Hin- & Rueckfahrt im Mini-Van zu umgehen.

Mit dem Auto konnte man eh nicht direkt nach Agua Calientes fahren, das Dorf am Fusse des Machu Picchu. Aber ehrlich gesagt war ich froh, aus dem Auto raus zu kommen und bin dann gerne noch 2,5 Stunden auf einer schoenen Strecke an Bahngleisen und Fluss entlang durch den Dschungel gelaufen.

Es folgte 1 (kurze) Nacht in Agua Calientes im Hostel und um 5:00 Uhr in der Frueh ging es dann schon wieder weiter. Eigentlich war geplant, dass wir zu Fuss den Berg hoch laufen. Doch wegen starkem Regen haben wir dann doch lieber in ein Busticket investiert. Gott sei Dank, wie ich im Nachhinein nur sagen kann. 

Oben angekommen gab es dann erstmal eine Fuehrung durch das Inka-Dorf. Wegen der vielen Wolken war das erst etwas frustierend, da die Aussicht doch sehr zu wuenschen uebrig liess. Der Fuehrer meinte aber, dass das voellig normal sei fuer die Regenzeit und dass das in ein paar Stunden schon aufklaeren wuerde.
Wenn man nun also schon weiss, dass es um die Uhrzeit generell ungemuetlich ist... wieso plant man dann so eine gefuehrte Tour nicht einfach spaeter? Meine Zweifel am Reiseanbieter wuchsen erneut.

Aber tatsaechlich wurde es gegen 10 Uhr dann richtig schoen und warm und man konnte den Berg in seiner ganzen Pracht geniessen. Man hatte uns gesagt, dass der Abstieg zu Fuss 1 Stunde dauern wuerde, wenn man gemuetlich laeuft. Fuer den Rueckweg hatten wir Zugtickets fur die Strecke, die wir gestern laufen mussten, also sollten wir um 13 Uhr am Bahnhof sein. Um sicher zu gehen machte ich mich dann also schon um 11:30 Uhr an den Abstieg. Nachdem wir naemlich seit 6 Uhr in der Frueh schon im Inka-Dorf treppauf und treppab gekrakselt waren, begannen meine Beine naemlich schon, sich ein wenig zu beschweren.

Doch was nun noch kommen sollte war nichts dagegen: alte Inka-Stein-Stufen die auch schon mal 30 bis 40cm hoch sein konnten. Noch immer etwas rutschig von Regen ging es also immer steil bergab. Nach etwa 45 Minuten begannen meinen Beine zu zittern und ich musste eine kurze Pause einlegen. Nach weiteren 15 Minuten wurde ich etwas unruhig, denn es war noch immer kein Ende in Sicht. Tapfer kletterte ich weiter Stufe um Stufe hinab, alle Beschwerden aus den Beinen ignorierend. Und nach einer weiteren 1/4 Stunde endlich das Ende der Treppe! Yeah! Yeah? Wo bin ich denn jetzt? Ich kannte die Wegstrecke, denn auf der waren wir gestern auch schon entlang gelaufen. Daher schwante mir, dass ich immer noch gut 20 Minuten vom Dorf entfernt war. Also musste ich mich jetzt richtig beeilen. Normalerweise heisst es hier zwar: Um so und so viel Uhr vor Ort sein, weil man naemlich schon 30 Minuten spaeter losfahren will, was sich dann meistens aber auch nochmal verzoegert. Aber da ich in Suedamerika noch nie Zug gefahren bin, wollte ich das lieber nicht riskieren. So schnell mich meine Beine also noch trugen, schleppte ich mich um 13:05h bis kurz vor den Bahnhof. Dann bekam ich die schlimmste Kraempfe ever in beiden Oberschenkeln gleichzeitig. Zittrig bleibe ich kurz stehen, versuche zu entspannen und die Beine zu lockern. Wackelig geht es ein paar Schritte weiter, es tut unglaublich weh, aber immerhin machen die Muskeln weiter. Am naechsten Getraenkestand den ich sehen kann hole ich mir ein isotonisches Gesoeff. Vielleicht hilft es tatsaechlich was, vielleicht hilft aber auch einfach nur die Minute die ich stehen bleibe: Meine Beine lassen mich nicht im Stich und halten weiter durch. Am Bahnhof zeige ich mein Ticket, mein schickt mich zum Bahnsteig weiter. Dort soll ich dann erstmal warten, denn es sei noch nicht sicher, ob ich in diesem Zug mitfahren kann. Ich versteh es erst nicht ganz. Bin ich zu spaet? Nein, nein. Es sei nicht meine Schuld! Der Zug der hier steht sei der Zug, der um 12.00h haette losfahren sollen. Aber es gab Probleme mit der Lok. Nun ueberlegt man, ob man noch ein paar Wagons dran haengt und die beiden Fahrten zusammenlegt.

Ich weiss nicht was sie am Ende genau gemacht haben. Ich durfte auf jeden Fall einsteigen. Ein paar andere nicht. Und dann ging es also mit dem Zug zurueck zu der Stelle, an der uns das Auto tags zuvor rausgelassen hatte. Dort gab es dann nochmal Chaos, wer denn nun mit welchem Auto zurueckfahren sollte. Leute sollten einsteigen, die dann wieder aussteigen mussten, damit andere einsteigen konnten, die dann wieder aussteigen mussten damit diejenigen, die anfangs schon drin sassen dann doch wieder einsteigen sollten. Und endlich ging es dann weiter, eingepfercht im Mini-Van, mit Beinen die noch lange nicht mit ihren Beschwerden fertig sein sollten.

Den Trip werde ich also sicher nicht so schnell vergessen. Aber trotzdem war es da oben auf dem Machu Picchu ziemlich genial. Mein Bedarf an Abenteuer ist jetzt aber auch erstmal wieder gestillt. Und der an Treppensteigen auch.

Donnerstag, 7. Februar 2013

Cusco

Was hilft gegen bewölkten Himmel: Einfach so lange bergauf fahren, bis einem die Sonne wieder ins Gesicht lacht! Wenn einem 3400 Höhenkilometer zur Verfügung stehen ist das auch ein Klacks. Von gerade noch am Meer nun also mitten im Andenhochland und so langsam gewöhnt sich auch mein Kopf an den Höhenunterschied.

Übers Internet habe ich dieses wunderbare Hostal hier gefunden und bin nun total gemütlich in einem 6-Bett-Zimmer untergebracht (Einzelzimmer hab ich ja das ganze Jahr schon, da kann ich im Urlaub auch mal was anderes wagen). Internet, Bücherregale, Fernsehzimmer, Gemeinschaftsküche und Duschen mit warmem Wasser. Also wenn es denn Wasser gibt. Gestern gab es nämlich mal für nen halben Tag in der ganzen Stadt kein Wasser, weil irgendwo eine Leitung kaputt gegangen ist.

Deutsch ist hier gerade auch die meistgesprochene Sprache: Deutsche, Österreicher und Schweizer haben das Hostal derzeit fest in der Hand. Desweiteren hab ich noch einen Ami, zwei Schweden und zuletzt auch noch 3 Uruguayer kennen gelernt, die ganz schüchtern in der Küchenecke standen und sich sehr gefreut haben, als ich mich dann auf Spanisch mit ihnen unterhalten habe.

Ansonsten wird hier ganz schön viel geraucht, was ich nun eigentlich nicht gebrauchen kann und schon gar nicht vor dem Frühstück. Aber ich müsste wohl einfach mitrauchen, um die Sache entspannter sehen zu können... Das kann hier auch noch so billig zu bekommen sein: In meinem Alter fang ich damit doch gar nicht mehr an. ;)

In Lima hatte ich mich ja schon mehrfach gewundert, dass man mir in der Innenstadt auf der Strasse mehrfach ein Tattoo aufschwatzen wollte. Denn von allen tätowierten Leuten die ich kenne, ist dieser Körperschmuck eine durchaus überlegte Sache und kein spontanes Urlaubsmitbringsel. Aber nun wurde ich doch eines besseren belehrt: 2 Deutsche haben sich hier spontan ein Cusco-Souvenir stechen lassen. Womöglich lags aber auch daran, dass sie derzeit einfach sehr entspannt durchs leben reisen.

Für morgen und übermorgen habe ich nun einen 2-Tages-Trip zum Machu Picchu gebucht - der absolute Höhepunkt meiner Reise hier! In die Vorfreude mischt sich nun langsam auch etwas Sorge um das Wetter, das täglich zwischen sonnig-heiß und regnerisch-matschig wechseln kann. Außerdem liegt meine letzte Wanderung nun doch auch eine Weile zurück und fand auch nicht in dieser Höhe statt. Aber so ein bisschen was darf man für so ein Weltwunder ja schon auch tun, oder?

Im Schlafzimmer brennt mittlerweile ein Feuerchen in einer Tonvase. Die war nämlich doch keine Dekoration, sondern die Heizung! Mal sehen unter wie viele der 4 Decken ich mich da heute kuscheln muss, damits gemütlich wird.

Samstag, 2. Februar 2013

Lima, Fischmarkt

Freitag Vormittag. Noch immer etwas muede schiebe ich mich hinter meinem Begleiter durch die rege arbeitenden Peruaner. Eine Frau wedelt mit einem Calamar vor meiner Nase herum. Von hinten faehrt mir jemand mit einem Rolltisch und zig Fischen zum Ausnehmen gegens Kreuz. Kurz darauf streift ein Schubkarren mit Fischinnereien mein Schienbein und eine rot-gallertartige Fluessigkeit schwappt heraus, auf meinen Schuh. Die naechste Frau wedelt mit Krebsen, die noch mechanisch die Zangen bewegen. Der Fischgeruch ist so intensiv, dass ich ihn schon gar nicht mehr riechen kann.

Am Ende werden 3 verschiedene Fischarten gekauft, von denen spanischen Namen ich keine einzige wiedererkennen kann. Aus einer davon wird dann Ceviche zubereitet, eine der Hauptspeisen der Peruaner an der Kueste: Ich presse unzaehlige Limetten aus, deren Saft dann mit dem kleingeschnittenen Fisch reagiert, so dass man den gar nicht mehr zu braten braucht. Dazu Zwiebeln, Koriander, Knoblauch, Salz, Pfeffer. Gegessen wird das zu Kartoffeln und Mais.

Jetzt hab ich auf jeden Fall einen 3-Tages-Vorrat Ceviche, den ich eigentlich noch heute essen muesste.

Mittwoch, 30. Januar 2013

Pucallpa

Die Hinfahrt fing schonmal gut an: Aus 18 geplanten Stunden wurden fast 24, weil ein Erdrutsch die Strasse versperrt hatte. Auf beiden Seiten staute sich der Verkehr kilometerweit... aber was sollte man auch sonst tun ausser warten.
Wegen Regen war die Strasse ueberall nur in mittelmaessigem Zustand und der Hoehenanstieg hat mir zudem zu schaffen gemacht. Aber letztlich hab ichs dann doch ohne die bereitgestellte Tuete geschafft!

In Pucallpa bzw. auf dem Freizeitgelaende 15km vom Staedtchen entfernt gab es dann aber einiges zu erleben: In einer Haengematte schlafen (superbequem und nichts von wegen Krummem Ruecken!), sinflutartige Regenschauer die das Gelaende in einen grossen Sumpf verwandelten (Schlammspritzer bis zu den Knien), gefolgt von grosser Hitze und extra vielen Mosquitos (ganz oben auf der Speiseliste: exotisches Deutsches Blut serviert unter hell-leuchtender Haut). Nachts verirrten sich auch immer wieder mal Fledermaeuse in den grossen Saal, aber die wollten mein Blut zum Glueck nicht. Weitere Tiere die sich frei bewegen durften: Huehner, Enten, Truthaehne, Schafe, Ziegen, ein ganzes Rudel Hunde das sich froehlich vermehrte und sich aufopferungsvoll um die Beseitigung von Essenresten kuemmerte, eine Katze, Salamander, Kroeten und an einem Tag schaute auch ein kleiner Affe vorbei. Mit dem begannen dann einige ausgelassen zu spielen, bis er anfing in verschiedene Finger zu beissen. Daraufhin wurde reichlich Antibiotika verteilt, die es hier ja in jeder Apotheke frei zu kaufen gibt.
Ansonsten gab es v.a. eines zu essen: Reis. Taeglich mittags und Abends und manchmal auch Milchreis zum Nachtisch. Daher ist mein Bedarf an Reis fuer dieses Jahr jetzt schon gedeckt!

Seit ein paar Tagen bin ich aber wieder zurueck in Lima und der ganze Schlamm ist auch wieder aus den Klamotten gewaschen. Die restlichen Wochen wollen nun gut geplant werden, denn Dank meinen zwei letzten genialen Chefs hab ich nun weder fuer November noch fuer Dezember mein volles Gehalt bekommen. Aber: Das wird schon alles, zur Not eben hier und dort eine Nacht weniger im Hotel und statt Fluegen dann eben doch Busfahrten.