Samstag, 27. Juni 2009

Und die Blinden werden....

.. naja, sehen jetzt nicht direkt. Aber doch immerhin lesen! Und eigentlich ist der Plural auch ein wenig fehl am Platz... aber dafür muss man die Distanz zwischen Paraguay, Deutschland und den USA (Kalifornien) miteinbeziehen, über die der Blinde nun bald lesen wird!

Aber von vorne: Freunde aus Paraguay haben sich vor einiger Zeit hilfesuchend an mich gewandt, denn da war nun ein Blinder in ihrer Gemeinde, der auch in der Bibel lesen will. Da er Braille beherrscht theoretisch kein Problem. Aber praktisch gibt es wohl in ganz Paraguay keine Braille-Bibel. Also wurde über Internet um Hilfe gebeten. Dank meiner Kontakte zum guten alten Google konnte ich dann erschreckend viele Seiten mit kostenpflichtiger Online-Software für Blinde ausfindig machen. Keine Ahnung, wie Blinde diese Seiten ausfindig machen sollen oder gar die richtigen Klicks setzen sollen, um sich entsprechende Stellen vorlesen lassen zu können... Aber in dem Vorort von Asunción, in der der besagte Blinde wohnt, neuerdings erst eine Telefonleitung verlegt worden ist, konnte ich alle Online-Varianten eh abschreiben. Ebenso alle MP3-Hörsachen, denn selbst wenn man ihm nen passenden Player dazu schenken würde, wäre der extrem fix wieder geklaut worden. Aber dann bin ich doch noch auf eine Gruppe von Lutheranern in Kalifornien gestoßen, die Blinden-Bibel kostenlos herstellen und ebenso kostenfrei in viele Teile der Welt ausliefern. Da wegen der Sprachverwirrung die kalifornischen Lutheraner kein spanisch und meine Freunde in Asunción kein Englisch sprechen, musste ich dann eben auch noch ein wenig Mails mit Kalifornien austauschen. So hab ich dann auch erfahren, wieso es nicht ganz so einfach ist, eine Braille-Bibel auftreiben zu können: Die müsste dann nämlich in 40 Einzelbänden gedruckt werden und würde rund 13 Meter im Bücherregal beanspruchen. Puh, da bräuchte der arme Kerl in Paraguay ja erstmal noch ein extra Haus für seine komplette Bibel. Da bin ich dann doch froh über mein kleines, handliches Buch vor mir. Und wenn ich so nen Blick in mein Bücherregal werfe und mir vorstelle, was dass dann zusammen alles in Braille-Schrift an Platz brauchen würde... Meine Güte, wie soll ich da dann BLIND bitte irgendwas finden? uff....

Nun, der unbekannte Blinde in Paraguay wird nun also bald ein Lukas-Evangelium und eine Apostelgeschichte zum Lesen bekommen. Besser als nichts. Und man ist doch wieder mal froh, dass man helfen konnte!

Kommentare:

fräulein von und zu amok hat gesagt…

huh, nur so mal meine two pence dazu:
kann man in der gegend/ umgebung von dem guten mann in paraguy nicht noch ein paar andere blinde finden, die braille lesen können & die bibel lesen wollen? sowas sollte sich doch 1. dank internet oder 2. spätestens über gemeinden rausfinden lassen.
dann würde sich der druck von diesen vielen metern auch lohnen (:
ich bin sicher man findet einen weg, dass der gute mann sein stück vom kuchen auch haben kann. und zwar mehr als nur ein winziges häppchen.

recherchiert, fragt weiter, reicht die frage rum! was kostet die herstellung von dieser kleinen auflage?

Christian hat gesagt…

Sie kostet auf jeden Fall mal 6 Monate Zeit, während die 2 Bücher schon nach einer Woche fertig waren und jetzt gerade wohl auf nem Schiff gen Süden fahren.
Das fand ich auch ein Argument, dass da auf jeden Fall mal was in Bewegung kommt.