Mittwoch, 5. April 2017

Leseliste 2017


2016 war ja ein turbulentes Jahr. Nach vielen Gedanken über die Arbeit im September der Schritt in die Selbständigkeit - da wundert es nicht, dass ich den Kopf oft nicht frei hatte, um einfach mal einen Abend entspannt lesen zu können.
Dazu kommt, dass auch einfach weniger Zeit fürs Lesen bleibt, wenn meine Laufrunden jetzt bis zu 3 Stunden dauern oder ich den halben Tag in den Bergen herumlaufe. 
Aber da ich mit diesen Entwicklungen in meinem Leben sehr zufrieden bin, nehme ich es in Kauf, dass andere Hobbys eben kürzer treten müssen.
Wenn ich auf die Liste vom letzten Jahr schaue, dann waren da auch nicht so viele Bücher dabei, die mich richtig reingezogen haben, so dass man sie kaum noch weglegen konnte. Vargas Llosa hat mich eher enttäuscht und ich bin mit meinem Spanisch auch immer wieder an Grenzen gestoßen. Ein paar kostenlose Krimis hab ich mir zur leichten Sommerunterhaltung als E-Books geholt und war auch nur mäßig begeistert. Die Romantiker und die englischsprachigen Klassiker konnten mich da schon mehr begeistern.
Für dieses Jahr freue ich mich auf ein paar Franzosen und Südamerikaner. Als nächstes steht aber auch ein Japaner auf dem Programm. Kleist habe ich mir auch fest vorgenommen. Und dann schauen wir mal, worauf ich spontan Lust bekomme.



2016:   7.732 Seiten
2015: 10.414 Seiten
2014:   9.638 Seiten
2013:   8.145 Seiten
2012:   7.017 Seiten
2011:   9.097 Seiten 


Done:  6.459 Seiten  

  • Miguel de Cervantes Saavedra: Don Quijote  **** 
  • Heinrich von Kleist: Werke  ***
  • Heinrich Heine: Deutschland. Ein Wintermärchen  ****
  • Rüdiger Safranski: Wieviel Wahrheit braucht der Mensch  *** 
  • Erich Fromm: Haben oder Sein  ****
  • Der Koran ( 438 / 522 Seiten) (2016: 161S.)
  • Klaus H. Dieckmann: Mein geliebtes Persisch **
  • Haruki Murakami: Wie ich eines schönen Morgens im April das 100%ige Mädchen sah ****
  • Haruki Murakami: Von Männern, die keine Frauen haben ****
  • Diverse: Kurzgeschichten für Zwischendurch ***
  • Albin Zollinger: Der Fröschlacher Kuckuck **
  • Albin Zollinger: Pfannenstiel **
  • Albin Zollinger: Der halbe Mensch  *
  • Albin Zollinger: Gedichte ***
  • E. Sawyer: Kalktown Stories **
  • Wilkie Collins: The woman in white  ***
  • Ben Aaronovitch: Rivers of London ***
  • Ben Aaronovitch: Moon over Soho ****
  • Ben Aaronovitch: Whispers Under Ground ****
  • Ben Aaronovitch: Broken Homes *****


Doing:
  • Max Frisch: Romane. Erzählungen. Tagebücher ( 717 / 1782 Seiten) ****
  • Ben Aaronovitch: Foxglove Summer ( 116 / 385 Seiten)
  • Constanze Elter: Freiberufler. Fit fürs Finanzamt ( 99 / 228 Seiten) ****
  • Christine Schirrmacher: Der Islam. Band 1 ( 356 Seiten)


To do: ( 22.765 Seiten)

Bücher: ( 11.797 Seiten)

- Max Frisch: Sämtliche Stücke ( 859 Seiten)
- Fjodor M. Dostojewski: Schuld und Sühne ( 721 Seiten)
- Gottfried Keller: Der grüne Heinrich ( 807 Seiten)
- Theodor Fontane: Frau Jenny Treibel ( 206 Seiten)
- Theodor Storm: Der Schimmelreiter ( 146 Seiten)
- Wilhelm Raabe: Die Chronik der Sperlingsgasse ( 176 Seiten)
- Adalbert Stifter: Abdias ( 105 Seiten)
- Ingeborg Bachmann: Todesarten. Malina und unvollendete Romane ( 554 Seiten)
- Ingeborg Bachmann: Erzählungen ( 598 Seiten)
- Monika Albrecht / Dirk Göttsche (Hrsg.): Bachmann Handbuch ( 308 Seiten)
- Heimito von Doderer: Die Strudlhofstiege ( 909 Seiten)
- Brian Moore: Schwarzrock ( 265 Seiten)
- Ngugi wa Thingo'o: Wizard of the Crow ( 768 Seiten)
- Jesús Díaz: Die Initialen der Erde ( 507 Seiten)
- Augusto Roa Bastos: Ich, der Allmächtige ( 464 Seiten)
- Herfried Münkler (Hrsg.): Politisches Denken im 20. Jahrhundert ( 379 Seiten)
- Péter Esterházy: Harmonia Caelestis ( 921 Seiten)
- Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins ( 373 Seiten)
- Wilhelm Busch: Und überhaupt und sowieso. Reimweisheiten ( 160 Seiten)
- Gregor Piatigorsky: Mein Cello und ich und unsere Begegnungen ( 221 Seiten)
- Ralf Isau: Die geheime Bibliothek des Thaddäus Tillmann Trutz ( 500 Seiten)
- Ralf Isau: Der Mann, der nichts vergessen konnte ( 460 Seiten)
- K.L. McCoy: Mein Leben als Fön ( 204 Seiten)
- Anneliese Löffler (Hrsg.): Märchen aus Australien. Traumzeitmythen der Aborigines ( 255 Seiten)
- Georgios A. Megas (Hrsg.): Griechische Volksmärchen ( 304 Seiten)
- Ré Soupault (Hrsg.): Französische Märchen. Volksmärchen des 19. und 20. Jahrhunderts ( 279 Seiten)
- Christine Schirrmacher: Der Islam. Band 2 ( 348 Seiten)


E-Books: ( 10.968 Seiten)

- Ben Aaronovitch: The Hanging Tree ( 400 Seiten)
- Stephen King: It ( 1169 Seiten)
- David Mitchell: Cloud Atlas ( 545 Seiten)
- Sir Arthur Conan Doyle: The Complete Sherlock Holmes ( 1877 Seiten)
- W. Somerset Maugham: Of Human Bondage ( 624 Seiten)
- Jules Verne: Die Reise nach dem Mittelpunkt der Erde ( 273 Seiten)
- Victor Hugo: Der Glöckner von Notre Dame ( 468 Seiten)
- Stendhal: Rot und Schwarz ( 481 Seiten)
- Leo Tolstoi: Krieg und Frieden ( 1645 Seiten)
- Stefan Zweig: Gesammelte Werke ( 800 Seiten)
- Felix Dahn: Walhall. Germanische Götter und Heldensagen ( 486 Seiten)
- Gustav Weil: Tausend und eine Nacht, Band 1 ( 565 Seiten)
- Gustav Weil: Tausend und eine Nacht, Band 2 ( 577 Seiten)
- Gustav Weil: Tausend und eine Nacht, Band 3 ( 557 Seiten)
- Gustav Weil: Tausend und eine Nacht, Band 4 ( 501 Seiten)

Dienstag, 10. Januar 2017

Wintersport


Und auch in das Jahr 2017 bin ich mit einer neuen Herausforderung gestartet: Langlauf!





Wenn ich nun schon hier am Alpenrand wohne und das nächste Skigebiet wirklich nicht weit entfernt liegt, habe ich dieses Jahr nun einfach gewagt und mir eine Skiausrüstung gekauft, die ich dann auch gleich ausprobiert habe.
Gut 20 Jahre ist es her, dass ich im Skilager in der Schule in die Loipe musste und seitdem nicht mehr. Dafür waren die ersten 45 Minuten in der Loipe auch gar nicht so peinlich, und die 2 Stürze und ein paar unbeholfene Versuche vertretbar. Denn leider bin ich auch direkt auf die falsche Loipe geraten... Ich hatte mir ja extra eine einfache kleine Runde für den Anfang ausgesucht und mir auf der Karte angeschaut, wo ich hin muss: Den Berg hoch zu diesem Dorf, dann rechts und bis zum Parkplatz. Keine 15 Minuten mit dem Auto, also die besten Voraussetzungen, um das regelmäßig zu machen. Wie ich jetzt weiß, bin ich dann allerdings im falschen Dorf, nämlich ein Dorf zu früh, rechts abgebogen. Aber hier im bayerischen Oberland scheint es egal zu sein, in welchem Dorf man rechts abbiegt: Irgendwann kommt ein Parkplatz mit einer Loipe.
Doch statt 2 Kilometer blaue Loipe mit 27 Höhenmeter, bin ich frohen Mutes auf eine 9 km lange schwarze Loipe mit 160 Höhenmeter gestiegen. Da es nicht der Start der Loipe war, sondern mitten drin in der Runde, gab es auch zunächst kein Schild und ich bin fröhlich drauf los. Als es dann immer schneller bergab ging und ich mich der Frage stellen musste, wie ich eigentlich bremsen kann, erschien mir die Landung auf dem Hintern doch gar keine so schlechte Abwechslung. Als ich dann an eine Abzweigung kam, konnte ich dann endlich auf einem Schild sehen, dass ich mich auf einer schwarzen Loipe befand. Zurück konnte ich da nun auch nicht mehr so einfach, denn es handelte sich um eine Einbahnstraße. Aber die rote Loipe, die meinen Weg kreuzte, führte mich auch zurück, aber nicht ohne noch eine Abfahrt inklusive kleiner Bodenwelle und einer Kurve. Eine weitere Gelegenheit, um sich mal kurz in den Schnee zu setzen.

Mittlerweile weiß ich nun auch, wo meine blaue Loipe gewesen wäre und ich bin guten Mutes, dass ich da bei der nächsten Gelegenheit einen neuen Versuch wagen werde. Denn für morgen und übermorgen gibt es ja schon wieder eine Unwetterwarnung wegen Sturmböen und Schneefall.

Dienstag, 20. Dezember 2016

Alles, was wir tun können




People are dying.

I close my blinds.





Gestern Abend habe ich über Facebook Postings auch mitbekommen, was in Berlin passiert ist. Ich habe die Schlagzeilen gelesen und dann weiter geklickt. Ich wollte keine Details wissen, keine Sondersendung sehen und den aktuellen Stand der Todesopfer nicht wissen.

Genauso habe ich das gemacht, als ich von Anschlägen in Masar-i-Sharif gehört habe. Oder in Mogadischu. Oder Bilder von Aleppo. Oder ich weiß mehr wo das war.
Und in Spanien gibt es gerade Überschwemmungen.

Es ist zu viel. Ich brauch keine Bilder von Trümmern mehr. Von weinenden Menschen. Von fassungslosen Trauernden mit Blumen und Kerzen. Und ich brauche auch keine Diskussionen über Schuld und Maßnahmen und die öffentliche Meinung.

Versteht mich nicht falsch: Wenn so etwas passiert, will ich die Schlagzeilen lesen. Ich will die Information bekommen.
Aber dann will ich auch wieder los lassen. Ich will nicht hilflos rumsitzen und mir neue Details und Spekulationen antun. Gebt mir zu Beginn die Information - und am Ende einen Bericht. Das reicht.

Bei manchen Attentaten und Unfällen klappt das doch genau so. Man hört die Nachricht, nach einer Weile wird recherchiert darüber berichtet, und dann ist es auch wieder vorbei.
Ich muss und ich kann nicht um Leute trauern, die ich nicht kenne, egal ob die in München, Berlin , Paris oder Mogadischu gestorben sind.
Die Menschen die Angehörige und Freunde verloren haben, sollen in Ruhe trauern können. Dazu brauchen sie mich nicht. Und den Rest der Öffentlichkeit auch nicht.

Ich will einfach nicht mein Profilbild ändern, weil ich den zahlreichen Opfern dadurch nicht gerecht werden kann, die es täglich gibt. Weil es zu viel wäre, verzichte ich lieber ganz.

Wenn es hier vor der Haustür passiert, würde ich raus gehen und helfen so gut ich kann.
Aber ich bin weit weg.

Gestern Abend habe ich also nicht weitergeklickt und weitergelesen. Ich war erst traurig, habe den Computer ausgemacht und war dann froh, dass ich vor dem Ofen sitzen und eine warme Tasse Tee trinken kann, während 4 Kerzen am Adventskranz brennen.

Viele Leute in Berlin konnten sich gestern Abend nicht mehr freuen, das ist leider wahr.
Aber ich konnte das für sie übernehmen. Denn was hätte ich sonst tun können?


All we can do is keep breathing



Sonntag, 27. November 2016

Frei trotz Arbeit




1.Advent, und das Jahr ist fast schon wieder vorbei. Wow. Wenn ich zurück blicke, scheint mir der Weg bis zum letzten Januar sehr sehr lang. Und ich finde es erstaunlich, wie weit das auch schon wieder hinter mir liegt. Aber das macht auch noch mal deutlich, wie weit man kommen kann, wenn man jeden Tag ein Stück geht. Bis nach Italien z.B.

Dieses Jahr war schwierig, von Anfang an. Die Arbeit selbst und noch mehr die Arbeitssituation haben sehr viel Kraft gekostet. Eine Kollegin hat richtig Ärger gemacht, Schüler gemobbt, Kollegen gemobbt, mit der Schulleitung gestritten. Aber unsere Chefin hat es leider nicht auf die Reihe bekommen, rechtzeitig zu reagieren, und so hat sich die Situation bis Juli durchgezogen, mal mehr, mal weniger akut.
Außerdem habe ich feststellen  müssen, dass alle meine Kollegen (inklusive der Terror-Frau), bereits unbefristete Verträge bekommen hatten, auch wenn sie teilweise erst 1 Jahr nach mir gekommen sind. Ich wurde zwar durchgehend mit Lob überschüttet und habe immer mehr Aufgaben und Verantwortung bekommen, aber mein Vertrag wurde - vergessen?

Also was tut man, wenn man unzufrieden ist und nicht weiter kommt? - Man schaut sich anderweitig um. Bewerbungen raus schicken bin ich ja nun wirklich gewohnt und daher hatte ich wie früher auch schon einenganzen Schwung auf einmal rausgehauen. Aber dass dann keine einzige Absagen gekommen ist, war dann doch neu für mich. Diesmal musste ich die Absagen erteilen, also eine sehr gute Übung für mich, das mit dem "Nein sagen" zu lernen.


Eine der aufregendesten Entscheidungen hatte ich an dieser Stelle schon angedeutet: Ich hätte nach Peru gehen können. Allerdings nur für 3 Jahre. Letztlich war es dann aber das ausschlaggebendste, dass ich Deutschland nicht verlassen will, wenn ich hier gerade als Deutschlehrer für die Flüchtlinge so sehr gebraucht werde. Die wollte ich dann doch nicht gegen die reichen Kinder Südamerikas eintauschen.

Währenddessen wollte mein aktueller Arbeitgeber mich auch behalten und hat mir im Juli dann doch einen unbefristeten Vertrag ab September zugeschickt. Nur noch meine Unterschrift fehlte und so konnte ich ganz entspannt der Dinge harren, die da noch so gekommen sind.

Und ich musste überlegen und rechnen und auf meinen Bauch hören. Und am Ende habe ich den Schritt gewagt und mich selbstständig gemacht! Seit September bin ich jetzt als Freiberufler unterwegs, kann viel entspannter unterrichten und mein Konto wird dabei sogar immer voller.
Da ich für Krankheiten und Arbeitsausfälle nun selbst aufkommen muss, habe ich mir also etwas zurücklegen müssen, und wenn man dann erstmals auf seinem Kontoauszug einen fünfstelligen Betrag am Ende sieht, den man sich selbst erarbeitet hat, macht einen das doch schon sehr stolz.

Ich bin jetzt nicht mehr Angestellter eines Kooperationspartners, der mich über weite Strecken alleine lässt (und auch gar keine Ahnung von meinem Beruf hat), sondern ich bin jetzt selbst der Kooperationspartner. Dazu werde ich in nächster Zeit auch sehr gut mit Arbeit eingedeckt sein und brauch mir über die Kundenaquise keine Gedanken machen. Viele Möglichkeiten lasse ich derzeit also noch ungenutzt, und kann mich langsam, aber ordentlich um alles kümmern.

Zwar musste ich mich erstmal in die ganzen rechtlichen Angelegenheiten einlesen und wie das nächstes Jahr mit der Steuererklärung wird, kann noch mal spannend werden, aber ich denke, ich bin auf einem guten Weg, das Stück für Stück alleine bewältigen zu können.

Ein langer Weg liegt nicht nur hinter mir, sondern hoffentlich auch vor mir. Und ich bin gespannt, wie es weiter geht und wo es mich hinführen wird.

Sonntag, 16. Oktober 2016

Die Zweite Hälfte




2mal ein Halbmarathon ergibt doch auch einen ganzen, oder? Auf jeden Fall habe ich mich 3 Wochen nach meinem ersten Versuch in Tegernsee gleich noch mal in München an den Start begeben. Als einer von insgesamt über 20.000 Menschen. Davon standen 8.000 beim Halbmarathon am Start.

Es lief  nicht ganz so rund diesmal: Seitenstechen, Zwicken in der Wade und Rückenschmerzen. Anstatt frühzeitig einen Gang runter zu schalten, hab ich mich aber weiter getrieben. Im Nachhinein keine gute Idee, denn bei jeder Versorgungsstation habe ich zugreifen müssen und am Ende habe ich mich nur noch irgendwie laufend über die Ziellinie geschleppt. Die Zeit war nach wie vor ein Traum mit knapp 2:32 Stunden, denn noch im August hatte ich nicht damit gerechnet, dieses Jahr noch an die 2,5 Stunden ran zu kommen.
Nur Spaß gemacht hat der Lauf so halt leider überhaupt nicht und danach wurde es noch schlimmer.
Die erste große Hürde waren dann nämlich schon die Treppen aus dem Olympiastadion hinaus. Viele Treppen. Steile Treppen. Und meine Beine wollten sich kaum noch vom Boden heben lassen...
Aber: anderen ging es auch so und manche mussten sich gar von Sanitätern tragen lassen.

Völlig K.O. musste ich dann erstmal meinen Kleidersack suchen und damit zur Olympiahalle für die Duschen. Dort standen die Zeichen dann auf Sauna, so dass mein Kreislauf mächtig ins Straucheln gekommen ist. Freundliche Kollegen haben mir dann direkt ätherische Öle ins Gesicht geschmiert und mit vielen Pausen war dann sowohl das Duschen als auch die Heimfahrt in U- und S-Bahn erfolgreich.

Der Muskelkater am Tag danach hatte dann bisher nie gekannte Dimensionen angenommen, aber auch das ging vorbei. Dass ich mich seitdem auch mit einer Erkältung rumschlage wundert mich nicht wirklich, aber die wird jetzt erstmal in aller Ruhe auskuriert und der Sport muss warten. 
Für den nächsten Lauf im Mai um den Schliersee habe ich mich aber schon angemeldet, zum Jahresauftakt wieder 10 Kilometer. Und dann schauen wir mal, wie weit es nächstes Jahr geht.

Montag, 19. September 2016

ein halber Marathon




Ich hatte es hier ja schon angekündigt: Als neue sportliche Herausforderung hatte ich mir für dieses Jahr den Halbmarathon vorgenommen. Mein Ziel war, die Strecke in unter 3 Stunden zu schaffen und über Monate habe ich mich Kilometer für Kilometer an diese Distanz rangelaufen.
Eine Weile dachte ich, dass ich nicht über die 18 km hinaus komme, denn das blieb lange der Punkt, an dem ich kaum noch die Beine vom Boden heben konnte. Aber im Laufe des Sommers wurde ich dann doch immer zuversichtlicher, dass ich die 21 km durchlaufen werde und ich die 3 Stunden locker schaffen kann. In einem Trainingslauf schaff ich sogar die 2:40 Stunden und bin Stolz wie Oskar.

Letzten Sonntag war es dann soweit: Tegernseelauf! Und ich dreh diesmal nicht wie letztes Jahr nach 5 km um, sondern lauf einmal komplett um den See. Das Wetter war regnerisch aber nicht zu kühl.
Eigentlich hatte ich mich drauf eingestellt, von Anfang mein Tempo zu laufen, was mich dann wohl schnell ans Ende des Felds befördert hätte. Deswegen habe ich mich ja auch bei der Startaufstellung gleich mal weit hinten eingereiht. Aber wie das so ist, wenn da 4500 Leute auf einmal los laufen: Man läuft einfach mal mit.

Und ich war auch super motiviert, alles lief am Anfang ganz locker, schön mit dem hinteren Feld mit.
Der Blick auf meine Lauf-Uhr verrät mir, dass ich für meine Verhältnisse viel zu schnell unterwegs bin und mein Kopf drückt beständig auf die Bremse. Aber ich bin entspannt, genieße die Aussicht und laufe einfach weiter. An meiner Wohnung komm ich auch vorbei und kann meinen Nachbarn zuwinken und mir geht es immer noch blendend. 
Nach 10km stelle ich dann fest, dass das gerade eben die schnellsten 10km meines Lebens waren... und ich ja noch nicht mal einen Schlussspurt eingelegt habe. Ich war mächtig stolz, aber langsam kam auch die Angst: Was passiert jetzt auf den nächsten 11 Kilometern? Geht mir die Luft aus und ich breche völlig zusammen?
Ich will mich weiterhin bremsen, aber das funktioniert irgendwie gar nicht, wenn da am Straßenrand ständig Leute stehen und klatschen und anfeuern. Und ich grinse immer noch wie ein Honigkuchenpferd.

Meine Zwischenzeiten bleiben bis 14km konstant. Dann beginnt das dicke Ende, denn es geht 4km lang stetig bergauf. Verständlicherweise werde ich langsamer, aber während andere ins Gehen wechseln, laufe ich tapfer weiter. Außerdem beginnt es jetzt richtig zu regnen, was aber immerhin meinen heißgelaufenen Kopf wieder abkühlt.
Bisher bin ich an alles Verpflegungsstationen vorbei gelaufen, aber die letzte Station bei Kilometer 18 sehne ich dann doch herbei und ich nehme dankbar 2 Becher mit isotonisch-zuckerigen Flüssigkeiten. Ich weiß es kommen noch 3 Kilometer, bei denen es jetzt erstmal bergab geht, dann wieder bergauf und dann nochmal bergab ins Ziel. 

Der Regnen hat wieder nach wieder nachgelassen und jetzt will ich es endgültig wissen: Mit Schwung laufe ich den Berg hinunter und spüre meine Oberschenkelmuskeln regelrecht aufschreien.
Aber da müssen die jetzt durch. Der letzte Anstieg geht wieder über einen Kilometer und ist zugleich der steilste auf der ganzen Strecke. Ein paar müde Läufer müssen Pause einlegen und sich dehnen, aber ich laufe tapfer weiter und kämpfe. Alles tut mittlerweile weh, aber jetzt will ich auch nicht mehr kürzer treten. Der Berg ist geschafft, und es geht wieder bergab. Ich werde wieder schneller und auf den letzten 500 Metern will ich noch mal alles geben, was geht.
Doch dabei will ich zu viel und mein rechtes Bein beschwert sich jetzt sehr deutlich. Also runter vom Gas, weiter laufen, locker bleiben, keinen Krampf riskieren.
Ich kann das Zieltor schon sehen und will es jetzt nur irgendwie über die Ziellinie schaffen, damit meine Zeit stoppt. Kurz denke ich noch, dass ich jetzt doch noch vor dem Ziel zusammenbreche und nicht mehr aufstehen kann... aber dann bin ich im Ziel. 

21,1km und die Uhr bleibt stehen bei 2 Stunden 25 Minuten und 20 Sekunden! Wow... sogar unter 2,5 Stunden! Mein letzter Kilometer war fast genauso schnell wie mein erster und dazwischen gab es keine außergewöhnlichen Schwankungen.
Ich war in diesem Halbmarathon jetzt schneller unterwegs als letztes Jahr noch bei den 10km! Darauf bin ich sehr stolz und ich bin gespannt, wie das bei meinem 2.Halbmarathon klappen wird, der ja nun in 3 Wochen schon ansteht. Ich sag also nur: Läuft bei mir!

Montag, 5. September 2016

Über die Alpen




Ich habe es getan: Ich bin vom Tegernsee nach Italien gelaufen! 
Reiseführer gekauft, Etappen geplant, Hotelzimmer reserviert, einen viel zu kleinen Rucksack mit dem Nötigsten randvoll gepackt und los gelaufen.
Blauäugig und unbedacht, ohne Pullover oder warme Jacke. Einfach mal drauf los.

Gleich die erste Etappe hat mich über die Blauen Berge nach Österreich geführt. Es sollte die längste Tagestrecke meiner Wanderung werden mit den meisten Höhenmetern und zudem auch noch am heißesten Tag meiner Reise. Eine erstklassige Kombination gleich für den Start! Geschlagene 10 Stunden bin ich unterwegs bevor ich am Achensee an meiner Pension ankomme. Völlig durchgeschwitzt und am Ende durfte ich mir dort dann anhören, dass leider alle Zimmer belegt sind und meine Reservierung irgendwie untergegangen sein muss. 
Ich habe aber einen Ausdruck der Bestätigung per Email dabei, den Besitzern ist es sehr peinlich und so wird mal eben schnell das Massagezimmer leergeräumt, ein Bett für mich aufgebaut und mir ein sehr günstiges Angebot gemacht, das ich nicht abschlagen kann. Schon allein deswegen nicht, weil ich keinen Schritt weiter laufen kann.

Vorausschauend habe ich am 2.Tag eine erste Pause eingeplant und ich kann wieder Kräfte sammeln, während ich auf dem Balkon dem Regen zuschaue.


Die zweite Etappe am Achensee entlang und tags drauf die dritte Etappe weiter ins Zillertal verlaufen hingegen weitgehend entspannt. Nur als ich dann die Seilbahn ins Hochzillertal hinauf nehme und von dort oben ringsum nur noch Berge sehen kann, bekomme ich doch kurz weiche Knie: Was habe ich mir da nur vorgenommen? Egal. Weiter gehts.

Ich muss mir meine Kräfte einteilen, rechtzeitig Pause machen und auch ordentlich Essen.
Und immer wieder überrascht mich die Stille da oben in den Bergen: Manchmal muss ich stehen bleiben, um nichts zu hören, so gewaltig ist das. Und dann pfeift irgendwo plötzlich ein Murmeltier.

Im Hochzillertal, mitten im Skigebiet mache ich einen weiteren Tag Pause.
Ich bin in einem fast leeren 4-Sterne-Hotel. Angeblich soll es noch einen weiteren Gast geben, aber ich sehe und höre am ersten Tag niemanden außer mir. Dafür genieße ich Sauna und Pool für mich ganz alleine. Am 2.Tag sind dann zwei weitere Münchnerinnen im Hotel, die ebenfalls die Alpenüberquerung machen.



Die letzten 3 Etappen dann am Stück. Zuerstmal die 4.Etappe ans Ende des Zillertals, und dann weiter in der 5. Etappe über den Alpenhauptkamm ins Pfitschtal! Bisher war das Wetter optimal und ich bin kein einziges Mal nass geworden. Aber wie schon die erste Grenzüberquerung nach Österreich wird die Grenze nach Italien ein hartes Stück Arbeit. Es schüttet und ich bin nach zwei Stunden trotz Regenponcho schon durchnässt. Aber: Der Inhalt meines Rucksacks bleibt trocken! Ich habe mich mit zwei weiteren Wanderern zusammengeschlossen um diese Etappe bei diesem Wetter zu meistern. Ein Fluss kreuzt immer wieder den Weg, bzw. der Weg ist bei dem ganzen Regen zu einem Fluss geworden. Wir laufen weiter.



Der Regen wird zwar nicht weniger, aber es mischen sich immer mehr dicke Schneeflocken mit hinein, der Wind wird immer stärker und schließlich bläst es uns nur noch Flocken ins Gesicht. Wie sehr habe ich nun einen Pullover vermisst. Aber wir stapfen weiter die Serpentinen den Berg hoch. Der Wind bläst uns abwechselnd von vorn oder von der Seite den Schnee gegen den Körper. Eine gefühlte Ewigkeit dauert es, bis wir endlich das Joch passieren und uns im Rasthaus aufwärmen können.
Der Abstieg verläuft dann überraschend einfach: Kein Schnee, kein Regen und auch kein Wind mehr.
Unsere Zweckgemeinschaft trennt sich dann auch wieder.

Die letzte Etappe durchs Pfitschtal nach Sterzing ist dann wie ein Spaziergang. Ich mache sogar einen kleinen Abstecher auf einen weiteren Berg und freue mich dann, bei Sonnenschein am Ziel anzukommen.

Es war alles dabei: Hitze und Schnee, Einsamkeit und Gemeinschaft und viele tolle Aussichten!
Ich bin sehr stolz, dass ich das geschaffte habe. Insgesamt bin ich etwa 150km gelaufen, nur 3 mal Zug, Seilbahn und Bus zu Hilfe genommen, sogar weniger als es der Reiseführer empfohlen hat.
Und bei allem hat es mir erneut gezeigt, was ich schaffen kann, auch wenn ich ganz auf mich allein gestellt bin. Und dass da dann trotzdem zur rechten Zeit Leute auftauchen und man sich gegenseitig weiterhelfen kann.