Montag, 18. Juni 2012

Filmvorschau: Mientras Duermes (Sleep Tight)

Also Vorweg gleich mal wieder die Frage, was genau sich diejenigen eigentlich erhoffen, die für die deutschen Kinotitel zuständig sind. Was im spanischen Original "Mientras duermes" (Während du schläfst) heißt, kommt in Deutschland als "Sleep Tight" (Schlaf gut) in die Kinos. Warum in Englisch? Und was wäre an einer wörtlichen Übersetzung falsch gewesen? Noch lustiger wirds, wenn man sich die Titel in anderen Ländern anschaut: In Italien heißt der Film "Bedtime" (Schlafenszeit) und in Frankreich gar "Malveillance" (Böswilligkeit).

Aber kommen wir zum Film über den netten Hausmeister / Empfangschef eines mehrstöckigen Wohnhauses irgendwo in Spanien, der immer freundlich die Türen aufhält, den Bewohnern morgens die Tageszeitung besorgt, immer ein offenes Ohr für die Anliegen der Hausbewohner hat und zudem noch jeden Tag seine kranke Mutter im Krankenhaus besucht. Nur Abends kann es vorkommen, dass er sich in Abwesenheit der Bewohner in ihre Wohnung schleicht und sich unter dem Bett versteckt. Dann wartet er, bis sie schlafen um sie zu narkotisieren. Und dann...? Dann kann es vorkommen, dass er den Ausguss verstopft, an den Kosmetika herumexperimentiert, Kakerlakeneier in der Wohnung verteilt, die Zahnbürste benutzt und sich einfach ins Bett dazukuschelt.

Noch ein Stalker Film? Nein, so einfallslos war Regisseur Jaume Balagueró nun wirklich nicht. Der Hauswart  César (Luis Tosar) ist nämlich nicht in die junge Clara (Marta Etura) verliebt, wie man anfänglich denken könnte. César ist eigentlich kein Stalker, sondern auf einem Kriegszug gegen das Glücklichsein. Er sucht sich die glücklichsten Personen aus, um als das personifizierte Unglück über sie zu kommen. Selbst am Krankenbett seiner Mutter macht der dabei nicht halt. César ist eiskalt und böswillig, gerade zu denen, die freundlich zu ihm sein wollen. Nur der selbstbewussten Clara will das Lachen einfach nicht vergehen, bis César schließlich bereit ist, bis zum Äußersten zu gehen.

Der Film hat mich gefesselt, gerade weil die Sympathien des Zuschauers immer wieder hin und her gerissen werden: Erst fällt man voll und ganz auf dem Charme Césars herein. Dann denkt man er sei bei aller Schrulligkeit auch etwas romantisch. Dann hat man Mitleid mit ihm, weil ihn immer wieder Selbstmordgedanken plagen. Doch letztlich entdeckt man: Der Sinn seines Lebens ist Menschen unglücklich zu machen. Scheitert er, wird er sich selbst umbringen. Kann Clara ihm also das Handwerk legen, ohne auch nur eine Ahnung davon zu haben, wer und was César in Wahrheit ist?

In einer Szene wird es blutig, ansonsten arbeitet der Film mit Stimmungen und Eindrücken, sowohl mit komischen als auch mit zutiefst irritierenden Momenten. Ich finde das Anschauen lohnt sich sehr!


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